Berlin - In einem Krankenhaus in Reinickendorf ist bei vier Patienten und zwei Mitarbeitern die zunächst in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Variante nachgewiesen worden. Alle Fälle betreffen eine Station der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie des Humboldt-Klinikums, teilte der kommunale Vivantes-Konzern mit. Am Vormittag war zunächst von drei Patienten die Rede gewesen. Diese fielen demnach durch ein berlinweites Routinescreening am 14. Januar auf.

Später fügte Vivantes hinzu, dass die Variante inzwischen zudem bei einer Patientin und zwei Mitarbeitern nachgewiesen sei, die bereits zuvor positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden waren. Ursprünglich seien diese Proben zwischen dem 15. und 18. Januar eingesandt worden. Die neue Variante ist nach Angabe von Experten infektiöser als bisherige Formen.

Wie der Konzern erklärte, sei zum Schutz von Patienten und Personal ein Aufnahmestopp für die betroffene Station verhängt worden. „Aufgrund der strengen Hygienemaßnahmen und der direkten Isolation der Betroffenen konnte das Infektionsgeschehen kontrolliert werden“, hieß es.

Rund 30 Fälle in mehreren Bundesländern

Nachdem zuletzt eine starke Ausbreitung mehrerer Corona-Varianten im Ausland beobachtet wurde, wird nun auch in Deutschland verstärkt danach gesucht. Die in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 beispielsweise wurde nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Mittwoch bisher in 28 Fällen in mehreren Bundesländern nachgewiesen – zwei davon in Berlin (Stand: Dienstag). Die Meldungen können beim RKI allerdings zeitverzögert ankommen. Bei 19 der bisher bekannten Fälle wird dem RKI zufolge eine Ansteckung im Ausland angenommen, in neun Fällen ist die Quelle demnach noch unklar.

Der Virologe Christian Drosten sagte am Dienstag im NDR-Podcast, er schätze, dass die Mutation aus Großbritannien ungefähr ein Prozent oder weniger der Fälle in Deutschland ausmache. Er vermutete, dass die Corona-Variante vor allem über die Weihnachtstage ins Land getragen wurde. Mehr Daten dazu seien in den nächsten Wochen zu erwarten. Es gebe jetzt noch ein Zeitfenster, um die Ausbreitung hierzulande im Keim zu ersticken, so Drosten. In Großbritannien zeige der Lockdown bereits Effekte. Für ihn stehe darüber hinaus mittlerweile fest, dass sich die Mutante tatsächlich schneller verbreite.