Berlin - Der Chef der R+V-Versicherung, Norbert Rollinger, hält Kürzungen von Leistungen für Ungeimpfte für denkbar. Dem Nachrichtenportal t-online sagte Rollinger, er habe durchaus Verständnis für die Diskussion, wenn nicht ausreichend niedrigschwellige Impfangebote gemacht würden.

Es handele sich schließlich um Kosten der Gemeinschaft. „Wenn jemand wegen Corona auf der Intensivstation landet, ist das deutlich teurer als eine Impfung“, so Rollinger. Schon jetzt dürften Krankenkassen bei Tarifen Unterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern machen.

Der Geschäftsführer der Betrieblichen Krankenkassen, Norbert Schleert, hatte kürzlich gegenüber t-online eine Beitragserhöhung für Ungeimpfte ausgeschlossen. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion in den USA über die Pläne von Unternehmen ungeimpfte Mitarbeiter zu höheren Beiträgen zu verpflichten sagte Schleert, dies sei in Deutschland nicht möglich. Begründet wurde der Ausschluss mit der Verpflichtung deutscher Staatsbürger, sich versichern zu lassen. Löst der Vorstoß vom R+V-Vorsitzenden Rollinger nun einen Streit in der Versicherungsbranche aus? 

Die Kosten für einen Aufenthalt in einem deutschen Krankenhaus aufgrund einer Covid-19-Erkrankung liegen laut AOK-Versicherung bei durchschnittlich 10.700 Euro. Muss der Patient an ein Beatmungsgerät auf der Intensivstation, steigen die Kosten im Schnitt auf 38.500 Euro.  Diese Kosten könnten aus der Perspektive Rollingers also ganz oder teilweise auf ungeimpfte Beitragszahler umgelegt werden. 

Kassenärzte-Chef Gassen fordert Ende der Corona-Maßnahmen im Herbst

Unterdessen setzt sich die Diskussion um einen Freedom Day in Deutschland fort. Auch aus der Versicherungsbranche sind diesbezüglich Stimmen zu vernehmen. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen forderte einen baldigen Stopp der Corona-Maßnahmen in der Bundesrepublik. Am 30. Oktober sollten seiner Ansicht nach Beschränkungen wie Maskenpflicht aufgehoben werden. 

Kritisiert wurde die Forderung unter anderem von SPD und Grünen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach davon, dass ein Freedom Day „nicht ethisch vertretbar“ sei.