Halle - Der Virologe Alexander Kekulé hält es für immer wahrscheinlicher, dass das Coronavirus aus einem Labor in Wuhan stammen könnte. Wie er gegenüber NTV-Online berichtet, wachse sein „Unwohlsein bezüglich der Möglichkeit, dass es auch ein Laborunfall gewesen sein könnte“. Zuvor hatte er diese These eher abgelehnt. Das Coronavirus weise exotische Eigenschaften auf, die sich kein Mensch hätte einfallen lassen können – so seine Einschätzung. 

Doch nun habe er ein früheres Forschungsvorhaben des britisch-amerikanischen Zoologen Peter Daszak gelesen. Dieser sei auf Infektionskrankheiten spezialisiert, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Sein Antrag habe Forschungen zu genetischen Veränderungen an Coronaviren aus Fledermäusen beinhaltet. „Die US-Behörden haben ihm kein Geld dafür gegeben, weil sie gesagt haben, das ist zu gefährlich“, erklärt Kekulé gegenüber dem Nachrichtenportal. Zu dem Zeitpunkt habe Daszak auch engen Kontakt zu Wissenschaftlern in Wuhan gehabt. Ob sein Vorhaben dort genehmigt wurde, könne Kekulé nicht einschätzen.

Daszak war Teil der Ermittlungsgruppe der WHO in Wuhan

Peter Daszak ist ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Infektionsepidemiologie. Er hat die Laborunfall-Theorie öffentlich stets als Verschwörungsmythos abgelehnt und glaubt an einen natürlichen Ursprung der Pandemie. Trotz seiner klaren Positionierung gehörte Daszak Anfang 2021 zur Ermittlungsgruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in Wuhan die Ursache der Pandemie suchen sollte.

„Meine Lieblingstheorie war und ist nach wie vor, dass das Virus aus der Pelzproduktion stammt. Es ist aber auch möglich, dass es ein Laborunfall war“, resümiert Kekulé. Selbst wenn es ein Unfall gewesen sein sollte, bringe es niemandem etwas, andere „an den Pranger“ zu stellen. Gute Zusammenarbeit mit den Chinesen sei weiter nötig, um den Ausbruch der nächsten Pandemie zu verhindern, so Kekulé.