Rote Schleife, Symbol der Solidarität mit HIV-Positiven und Aids-Kranken.
Foto: dpa/Arne Dedert

WashingtonIn rund zehn Jahren sollte HIV/Aids eigentlich besiegt sein - dieses Ziel hatte sich die Weltgemeinschaft gesteckt. Doch das ist weit gefehlt, wie die Uno-Organisation für HIV/Aids (UNAIDS) am Montag zum Auftakt der virtuellen Welt-Aids-Konferenz am Montag berichtete.

Im vergangenen Jahr haben sich nach Schätzungen 1,7 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus angesteckt, obwohl es es durch neue Programme, Initiativen und Investitionen nur noch 500.000 Menschen im Jahr sein sollten.

„Die Coronavirus-Pandemie droht, uns noch weiter vom Kurs abzubringen“, sagte UNAIDS-Exekutivdirektorin Winnie Byanyima in Genf. Wachsende Armut durch den Stillstand der Wirtschaft führe zu zunehmender häuslicher Gewalt und gefährde vor allem Mädchen und junge Frauen. Sie treibe Menschen in prekäre Situationen, in denen das Risiko einer HIV-Infektion steige.

Infizierte könnten zudem teils nicht zu Ärzten gehen, heißt es in dem Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. Auch sei die Kondom- und Arzneiproduktion eingeschränkt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) laufen 73 Länder bereits Gefahr, dass ihnen die Vorräte an HIV-Medikamenten ausgehen. 24 Länder hätten schon große Nachschubprobleme oder fast leere Lager gemeldet. In diesen 24 Ländern lebe ein Drittel der Menschen, die die wichtige antiretrovirale Therapie erhalten.

Wenn die Behandlung mit antiretroviraler Therapie nur für 20 Prozent der HIV-Infizierten für sechs Monate unterbrochen werde, führe das zu 110.000 zusätzlichen Todesfällen, so UNAIDS. Eric Goemaere von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Südafrika bezeichnete das als inakzeptabel: „Wir dürfen wegen der Covid-19-Pandemie bei der HIV/Aids-Epidemie keinen Rückzieher machen.“