Sollte der R-Wert nicht sinken, rechnet SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mit lokalen Shutdowns.
Foto: Benjamin Pritzkuleit

BerlinBei einer weiterhin so schnellen Ausbreitung des Coronavirus rechnet SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mit lokalen Shutdowns in Deutschland. „Es ist ganz simpel. Der R-Wert liegt bei etwa 1,3. Wenn wir den nicht runter bekommen, steigen die täglichen Fallzahlen innerhalb kürzester Zeit so stark an, dass die Kliniken und Gesundheitsämter überlaufen werden. Dann kommen lokale Shutdowns“, sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die auch R-Wert genannte Reproduktionszahl gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt. Laut Lagebericht des Robert Koch-Instituts von Sonnabend lag der R-Wert bei 1,40.

„Das exponentielle Wachstum hat eine solche Kraft - da würde jedem einleuchten, dass nichts mehr stattfinden kann“, so Lauterbach weiter. „Dann würde auch die Wirtschaft einbrechen.“ 

Lauterbach zählt im Kampf gegen das Coronavirus auf das Verhalten der Menschen - weniger auf die Eindämmungsmaßnahmen. „Es wird darauf ankommen, wie sich die Bevölkerung verhält. Das ist wichtiger als einzelne Maßnahmen. Viele Auflagen lassen sich ohnehin schwer überprüfen.“

Am frühen Sonntagmorgen meldete das Robert Koch-Institut 5587 Corona-Neuinfektionen in Deutschland, eine Woche zuvor waren es 3483 neue Fälle. Am Sonnabend war mit 7830 zum dritten Mal in Folge ein Höchstwert erreicht worden. An Sonntagen und Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln.