In Costa Rica wird die Mittagspause verlängert, in Neuseeland bekommen sie das Play-off-Zitterspiel zum Frühstück serviert. Es geht um den letzten freien Platz bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar – und womöglich die Rolle des Spielverderbers für die deutsche Nationalmannschaft. Der Sieger des zweiten interkontinentalen Play-off-Matches im WM-Gastgeberland am Dienstag (20 Uhr MESZ) trifft im letzten Spiel der Gruppe E am 1. Dezember im Al-Bayt-Stadion auf die Mannschaft von Bundestrainer Hansi Flick.

Klar ist, Costa Rica oder Neuseeland erwartet nicht nur deswegen eine schwierige Aufgabe Ende des Jahres. Neben den Deutschen sind in der Gruppe E bei der WM in Katar noch Japan und Spanien dabei.

Bundestrainer Hansi Flick gönnt beiden Ländern die Qualifikation

Hansi Flick gönnt es beiden. Die Frage nach dem größeren Druck und dem vermeintlichen Favoriten auf den noch freien Platz in der deutschen WM-Gruppe spaltete indes seine Kollegen. „Die Medien in der Welt haben uns ja schon abgeschrieben“, sagte Neuseelands Coach Danny Hay. Der 1,91 Meter große Hüne wirkte dabei einen Tag vor dem Alles-oder-nichts-Spiel im heißen WM-Gastgeberland Katar amüsiert. Für ihn ist aber klar: Auf Costa Rica lastet der deutlich größere Druck.

Dort verlängerte der Präsident eigens die Mittagspause für Beamte, damit möglichst viele in der Heimat vor dem Fernseher an diesem Dienstag (20 Uhr MESZ) mitfiebern können. „Der Druck ist enorm, allein weil wir unser Land repräsentieren“, betonte Hays Kollege Trainer Luis Fernando Suárez „Wir haben alle denselben Druck. Wir haben beide dasselbe Ziel: die WM-Endrunde.“

„Jeder, der sich qualifiziert, kann als Gegner potenziell gefährlich sein“, sagte Flick am Montag. „Das haben wir in der Nations League gesehen, dass Ergebnisse vom Papier her nicht immer vorherzusehen sind.“ Vor Ort sei keiner, sie würden die Gegner aber genau analysieren, „wie wir es immer tun“, versicherte Flick. Sein Team spielt am Dienstag etwas zeitversetzt (20.45 Uhr, ZDF) am vierten Nations-League-Spieltag erneut gegen Italien.

Costa Rica war beim Sommermärchen 2006 schon mal Deutschlands WM-Gegner und hielt sich wacker beim 2:4 zum Auftakt. Auch mit Neuseeland gab es ein Duell: 1999 gewann die DFB-Elf 2:0 beim Confederations Cup in Mexiko.

Wer holt nun aber das letzte WM-Ticket? Costa Rica ist 31. der aktuellen Weltrangliste, Neuseeland belegt den 101. Platz. „Hier geht es nicht um Ranglisten“, betonte Costa Ricas Angreifer Joel Campbell, der mehr als 100 Länderspiele ausgetragen hat: „Wir hoffen, dass es nach 90 Minuten vorbei ist und es keine Verlängerung und kein Elfmeterschießen gibt.“

Dazu will einer beitragen, der bei der WM 2014 zum Helden Costa Ricas wurde. „Wir gehen raus und werden alles geben“, versprach Keylor Navas. Vor acht Jahren stand der 35-Jährige schon im Auswahltor, Costa Rica kam damals in der Gruppe mit Italien, England und Uruguay weiter und scheiterte erst in der Runde der besten Acht im Elfmeterschießen an den Niederlanden.

Navas soll nun auf dem Weg zur WM wieder zum Rückhalt werden. Und so gut wie alle sollen es in der zentralamerikanischen Heimat sehen können: „Mehr als 13.000 Kilometer entfernt werden elf Krieger auf dem Feld stehen, um eine historische Qualifikation zu schaffen“, sagte Präsident Rodrigo Chaves.

In Katar werden es die klimatischen Umstände beiden Nationen nicht leicht machen. Im Stadion surren zwar die Klimaanlagen, gespielt wird auch abends um 21 Uhr Ortszeit. Beim Gang tagsüber vom Hotel in den Mannschaftsbus brennt die Sonne mit Temperaturen von deutlich über 40 Grad. „Die Spieler sind zu 100 Prozent vorbereitet auf dieses Spiel“, versprach Costa Ricas Physiotherapeut Ivan Niño aber bereits.

Wynton Rufer soll Neuseeland motivieren

Das wird bei den „All Whites“ nicht anders sein. Sie werden auch wieder ihr Zusammenhalts-Motivationsplakat mit drei Legenden des neuseeländischen Fußballs – einer davon ist der ehemalige Bremer Bundesliga-Profi Wynton Rufer – mit dabei haben. Und während in Wellington, mehr als 14.500 Flugkilometer entfernt, Temperaturen von um die zwölf Grad herrschen, hat sich das Team von Trainer Danny Hay längst akklimatisiert. Es bestritt zuletzt ein Testspiel in Ar-Rayyan.

Noch nicht dabei war da der Kapitän. Winston Reid soll aber beim entscheidenden Match der „Goldenen Generation“, wie die vielen jüngeren Spieler in der Heimat bereits gepriesen werden, auflaufen können. Dass der 33-Jährige seit rund einem Jahr gar keinen Verein hat, ist eine der bemerkenswerten Randgeschichten des Aufeinandertreffens zwischen Neuseeland und Costa Rica um den letzten freien Platz der WM.