Cottbus - Das Carl-Thiem-Klinikum (CTK) in Cottbus hat wegen einer Corona-Falschnachricht Strafanzeige gegen Unbekannt erstellt. Das teilt das Klinikum am Mittwoch auf seiner Internetseite mit. Die Sprachnachricht verbreite sich derzeit über WhatsApp im Raum Cottbus, heißt es dort. 

Den Inhalt der Nachricht veröffentlichte das Klinikum ebenfalls auf seiner Internetseite. Darin wird die aktuelle Situation auf der Intensivstation als harmlos dargestellt. „Bis gestern lagen zwei Patienten auf der Intensivstation bei 24 Betten, beide haben kein Corona“, heißt es in der Nachricht. Zudem wird darin behauptet, dass 15 Schwestern von der Intensivstation wegen „dieser Testerei“ gekündigt hätten. Beides stimme nicht, so das Klinikum.

CTK-Chef: „Solch dramatische Entwicklung wie noch nie in dieser Pandemie“

„Ich bin entsetzt, dass Menschen Nachrichten dieses Inhalts, ohne zu hinterfragen, offenbar ohne darüber nachzudenken, einfach weiterleiten und dafür sorgen, dass diese Lügen verbreitet werden. Um es ganz deutlich zu sagen: Wir erleben am CTK gerade eine solch dramatische Entwicklung wie noch nie in dieser Pandemie. Die Zahlen von infizierten und auch schwer erkrankten Corona-Patienten, die wir übrigens täglich über die Stadt Cottbus veröffentlichen, steigen sprunghaft an“, sagt CTK-Geschäftsführer Götz Brodermann. „Die Situation ist so angespannt, dass wir gestern und heute sechs Corona-Patienten in die Lausitz Klinik nach Forst verlegen mussten, um überhaupt noch handlungsfähig zu bleiben.“

Aktuell würden im Pandemiehaus 41 Corona-Patienten behandelt. Auf der Intensivstation seien es 15 Patienten, davon müssten acht invasiv beatmet werden.

„Das sind schwerstkranke Corona-Patienten, rund die Hälfte der beatmeten Patienten stirbt. Das heißt, wir müssen davon ausgehen, dass vier dieser Patienten Weihnachten wohl nicht erleben werden“, so der CTK-Chef. „Ihr Leid und das Leid der Familien mit einer solchen Falschmeldung zu verunglimpfen und in Frage zu stellen, macht mich fassungslos.“ Allein im November seien zehn Patienten an Corona auf der Intensivstation verstorben.

„Aber diese Fake-News sind nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, sondern auch eine Beleidigung, eine Provokation gegen unser Personal“, so Brodermann weiter. Während der Pandemie hätten tatsächlich Pflegekräfte die Station und das CTK verlassen, „wie in vielen anderen Krankenhäusern deutschlandweit“, sagt der CTK-Chef. Sie seien aber „ganz sicher nicht wegen der Corona-Tests“ gegangen, sondern wegen der „unglaublich körperlichen und emotionalen Belastung während der Pandemie.“

Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 1275 Corona-Patienten im CTK behandelt, allein im November 182.