Berlin - Die Verunsicherung im Umgang mit dem Impfstoff von Astrazeneca wächst. Grund dafür sind weltweite Berichte über mögliche, teils schwere und unvorhergesehene Nebenwirkungen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder will jetzt, dass deutsche Politiker ihre Vorbildfunktion erfüllen. Söders Forderung: Deutsche Politiker sollen sich mit Astrazeneca impfen lassen. Das sagte der CSU-Chef bei einer Pressekonferenz am Montag. Ein solches Vorgehen müsse in einer Impfverordnung entsprechend geregelt werden, sagte der bayerische Ministerpräsident am Montagmorgen weiter.

„Ich glaube, da braucht es jetzt auch Statements dafür, dass dieser Impfstoff wirksam ist und auch funktionieren kann“, sagte Söder. Weiter sprach der CSU-Chef von „ganz überlegten Vorbildfunktionen“, die gesetzt werden sollten. Es müsse „noch mal extra eine klare Aussage kommen: Ist der Impfstoff gut oder schlecht?“

Astrazeneca-Stopp unter anderem in Holland, Irland, Dänemark und Norwegen

Neben Holland und Irland haben aktuell auch Dänemark, Norwegen, Island, Bulgarien, Thailand und Kongo vorerst alle Impfungen mit dem Mittel gestoppt. Österreich und Rumänien hatten dagegen die Impfungen mit einer einzelnen Charge ausgesetzt. In den USA ist der Impfstoff von Astrazeneca derzeit noch nicht zugelassen. Laut Medienberichten will der Konzern aber in den nächsten Wochen eine Notfallzulassung beantragen.

In Deutschland wird der Impfstoff auch weiterhin verwendet, hieß es am Montag von einem Sprecher des Gesundheitsministeriums. Demnach sollen noch in dieser Woche am Paul-Ehrlich-Institut und bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) verschiedene Expertenrunden zu dem Thema abgehalten werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte eine öffentliche Impfung abgelehnt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Forderung nach einer öffentlichen Impfung von Politikern zuletzt kategorisch abgelehnt. Um der immer größer werdenden Skepsis gegen den Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland zu begegnen, hatte sich der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, dafür ausgesprochen, dass sich die Bundeskanzlerin live im Fernsehen mit dem Präparat impfen lässt.

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte damals dazu erklärt, Merkel habe immer wieder gesagt, sie lasse sich dann impfen, wenn sie an der Reihe sei. Sie sei zudem 66 Jahre alt, und derzeit sei der Impfstoff nur für unter 65-Jährige empfohlen, so Seibert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hingegen würde sich „sofort mit Astrazeneca impfen lassen“. Sowohl Seibert als auch Müller wiesen auf die Sicherheit des Impfstoffs hin.

Das Altersargument fällt nun jedoch weg, Astrazeneca ist mittlerweile auch für über 65-Jährige zugelassen. In Berlin werden bereits Termine für eine Covid-19-Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca an Menschen über 65 Jahre vergeben. Das kündigte die Gesundheitsverwaltung am Sonnabend an. „Die bei der Buchung vorgenommene Unterscheidung in unter oder über 65-Jährige fällt weg, da der Astrazeneca-Impfstoff jetzt auch für über 65-Jährige Berliner zugelassen ist“, erklärte die Behörde.