London - Ungläubig drückte Peter Wright seine Stirn gegen die Dartscheibe, dann schossen ihm die Tränen in die Augen: Der schottische Paradiesvogel krönte sich in einem hochklassigen und dramatischen Finale erneut zum Darts-Weltmeister. Wright setzte sich vor 3000 feierwütigen Fans im Londoner Alexandra Palace mit 7:5 gegen den Engländer Michael Smith durch - und gewann nach 2020 seinen zweiten WM-Titel.

Der leicht favorisierte Wright spielte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in einen Rausch und blieb in den entscheidenden Situationen eiskalt. Mit dem ersten Matchdart beendete er jegliche Hoffnungen seines Gegners auf dessen ersten großen Titel und strich neben der 25 kg schweren Sid Waddell Trophy das Preisgeld von 500.000 Pfund ein.

„Ich bin unglaublich glücklich. Ich habe es geschafft“, sagte Wright sichtlich berührt nach der Siegerehrung, während bei Smith die Tränen kullerten: „Ich kann nicht erklären, was gerade passiert ist. Die Atmosphäre hat meinem Spiel geschadet. Wir waren beide nicht gut.“

Nach einem Jahr voller Rückschläge eroberte Wright nun die Darts-Krone zurück. Das lange Fehlen seiner Frau Joanne, die ihren Ehemann wegen schwerer Rückenprobleme und einer missglückten Operation nicht mehr begleiten konnte, hemmte den 51-Jährigen. Erst beim Gewinn des World Matchplay im Juli, als seine größte Stütze erstmals wieder dabei war, fand Wright zur alten Stärke zurück.

Und er bewies im WM-Finale sein zurückgewonnenes Selbstvertrauen. Trotz heftiger Buhrufe während seines Walk-ons und großer Doppelprobleme sicherte sich Wright den ersten Satz. Im zweiten Durchgang demonstrierte er dann seine große Klasse. Wright checkte erst 148 und dann 124 Punkte zur 2:0-Führung. Smith abschütteln konnte er jedoch nicht.

Der „Bully Boy“ schnappte sich mit ungeheurer Effizienz die beiden nächsten Sätze. Wright wechselte daraufhin seine Darts, mit denen er im Halbfinale noch einen Weltrekord für die meisten 180er-Aufnahmen in einem Spiel aufgestellt hatte (24). Nach dem gewonnenen fünften Satz kehrte er jedoch wieder zu seinen alten Pfeilen zurück.

Smith, der bei seiner ersten Finalteilnahme vor drei Jahren noch gegen Michael van Gerwen (Niederlande) verloren hatte, wurde nun immer stärker. Mit großer Wucht ging er beim 4:3 erstmals in Führung. Doch Wright, der insgesamt starke 98,34 Punkte im Schnitt spielte, blieb hartnäckig - und war vor allem in den wichtigen Momenten zur Stelle.

In der entscheidenden Phase spielte Wright seine geballte Erfahrung aus. Auch nach mehr als zwei Stunden in der brütenden Hitze auf der größten Darts-Bühne der Welt war er in der Lage, sein Niveau zu halten. Im letzten Satz stürmte Wright unaufhaltsam zum Titel - Smith hatte nichts mehr entgegenzusetzen.