Berlin - Für 376.460 Kinder an allgemeinbildenden und 87.360 Jugendliche an berufsbildenden Berliner Schulen geht in der kommenden Woche der Unterricht wieder los. Das Schuljahr steht erneut unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat ein „Aufholprogramm“ angekündigt, um negative Pandemie-Folgen für Schülerinnen und Schüler zu verringern.

Unter dem Titel „Stark trotz Corona“ soll es an den Schulen Angebote geben, um Lernrückstände aufzuholen. Aber auch davon abgesehen ist im neuen Schuljahr erneut einiges anders als in der Zeit vor Corona.

Wie wird der Unterricht in Berlin aussehen?

Bildungssenatorin Scheeres will so lang wie möglich Regelunterricht anbieten: „Uns ist in den vergangenen Monaten deutlich geworden, dass der Präsenzunterricht nicht so einfach zu ersetzen ist“, teilte sie mit. Auch der Landesschülerausschuss wünscht sich das: „Präsenzunterricht ist das Mittel der Wahl, Homeschooling ist kein Ersatz“, sagte Sprecher Rufus Franzen. Der Unterricht zu Hause befördere Ungleichheit zwischen den Schülerinnen und Schülern. Wichtig: Im neuen Schuljahr gilt im Unterschied zum letzten für die Schüler wieder Präsenzpflicht. Wer nicht erscheint, riskiert also Fehltage.

Welche Maßnahmen sind geplant, wenn die Zahl der Infektionen wieder steigt?

Mit einem Corona-Stufenplan will der Senat auf steigende Infektionszahlen vorbereitet sein, die Gesundheitsämter sollen dazu im Wochenturnus das Infektionsgeschehen bewerten. In Zukunft soll es drei Stufen geben: Stufe Grün sieht Regelbetrieb vor, in Stufe Gelb kommt es zum Wechselunterricht und bei Stufe Rot würden Schulen wieder schließen müssen.

Wie oft müssen Schülerinnen und Schüler sich testen lassen?

In der Hauptstadt müssen sich Schülerinnen und Schüler sowie das Personal in den ersten drei Wochen nach den Ferien dreimal wöchentlich testen lassen. Danach sind zwei Schnelltests pro Woche geplant: „Wir sind da schon trainiert“, sagte Astrid-Sabine Busse, Schulleiterin einer Grundschule in Neukölln. „Nur bei den ganz Kleinen, die nächste Woche erst eingeschult werden, müssen wir wohl noch etwas üben.“ Neuartige Lollitests kommen übrigens noch nicht flächendeckend zum Einsatz. In 24 Schulen soll es aber Pilotprojekte mit diesen Tests geben.

Können Jugendliche in den Schulen geimpft werden?

Generell ist das nicht vorgesehen. Lediglich an den Oberstufenzentren (OVZ) sollen mobile Impfteams ab Montag allen volljährigen Schülerinnen und Schülern ein Impfangebot machen. 16- und 17-Jährige können sich ebenfalls mit schriftlicher Erlaubnis der Erziehungsberechtigten impfen lassen. Jüngere Schüler ab 12 sollen laut Gesundheitsverwaltung in Impfzentren und bei niedergelassenen Ärzten Angebote erhalten. Beim Beratungsgespräch vor der Impfung muss mindestens ein Erziehungsberechtigter dabei sein.

Wie sind die Schulen sonst für das dritte Schuljahr in der Pandemie gerüstet? 

Vielfach bewährte Hygienekonzepte gelten auch im neuen Schuljahr. Ein wichtiger Punkt ist die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske in geschlossenen Räumen, die zunächst für 14 Tage gelten soll.

Und was ist mit Luftfiltern?

Rund 8000 solcher Geräte sind angeschafft, weitere 3000 sollen bis zu den Herbstferien folgen. Dann stünde rein rechnerisch für jeden zweiten Klassenraum ein solches Systeme zur Verfügung. CDU und FDP, aber auch die Grünen finden, dass das nicht ausreicht. Hier habe der Senat nicht konsequent genug gehandelt. Die Bildungsverwaltung sieht im Einsatz von Luftfiltern eher eine ergänzende Maßnahme und unterstreicht, dass Berlin bei der Ausstattung gemeinsam mit Bremen bundesweit an der Spitze liege.

Müssen Reiserückkehrer in Quarantäne?

Wer nach den Sommerferien aus einem Virusvarianten- oder Hochrisikogebiet zurückkehrt, muss in eine mehrtägige Quarantäne geschickt werden. Maßstab sind laut Bildungssenatorin die Regeln des Robert-Koch-Instituts. Das gelte für Schülerinnen und Schüler sowie das gesamte Personal.

Wie viele Lehrerinnen und Lehrer gibt es an Berliner Schulen?

Rund 32.000 Lehrkräfte sowie Tausende Erzieher starten ins neue Schuljahr. 2440 unbefristete Lehrerstellen waren Scheeres zufolge neu zu besetzen. Trotz des harten bundesweiten Wettbewerbs um qualifiziertes Personal und der pandemiebedingten Ausnahmesituation sei es gelungen, bisher 2886 Lehrkräfte einzustellen – nicht alle in Vollzeit. 1526 von ihnen seien sogenannte Laufbahnbewerber. Hinzukommen 790 Quereinsteiger, die mindestens ein Schulfach studiert haben, sowie 420 sonstige Lehrkräfte. Hierzu zählen etwa Künstler und Lehrer in Willkommensklassen. 150 Bewerber befanden sich laut Scheeres zuletzt noch im Einstellungsprozess, 80 Stellen waren noch unbesetzt.