Berlin - Zwei defekte Blitzeranlagen haben in Berlin wegen fehlerhafter Messungen offenbar für Zehntausende falsche Bußgeldbenachrichtigungen gesorgt. Wie RBB24 am Mittwoch berichtete, wurden die beiden  betroffenen Anlagen der Berliner Polizei am Montag abgestellt. Seit Monaten seien die Messungen ungenau gewesen.

Zuvor hatte der Hersteller Leivtec davor gewarnt, dass die Geräte anscheinend falsche Messergebnisse liefern würden. Zu Unrecht belangte Temposünder können sich daher wahrscheinlich bald darüber freuen, dass ihre Verfahren wegen Geschwindigkeitsübertretungen eingestellt werden.

Sachverständige stellen Abweichungen von bis zu 20 Stundenkilometern fest

Von dieser Entscheidung profitierte am Montag ein Beschuldigter vor dem Amtsgericht Tiergarten. Er sei laut Anklage im Juni 2020 auf der Stadtautobahn 37 Stundenkilometer schneller unterwegs gewesen als erlaubt. Dieses vermeintliche Vergehen hätte dem Betroffenen ein einmonatiges Fahrverbot und eine Strafzahlung von 185 Euro einbringen können.

Der Anwalt des Beschuldigten geht davon aus, dass die defekten Blitzanlagen auf der Stadtautobahn so für Zehntausende falsche Messungen verantwortlich sein könnten. Sie wichen offenbar bis zu 20 Stundenkilometer von der eigentlich gefahrenen Geschwindigkeit ab, wie Feldversuche von drei unabhängigen Experten ergeben hätten. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt hat jetzt die weiteren Untersuchungen übernommen.