Newsblog: 80.000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen das Iran-Regime

Mit einer Großdemo durch das Regierungsviertel machen Organisationen auf Polizeigewalt und Unterdrückung der Frauen im Iran aufmerksam. Es sind weit mehr gekommen als erwartet. 

Zehntausende Menschen protestieren am Samstag vor der Siegessäule gegen das Iran-Regime. 
Zehntausende Menschen protestieren am Samstag vor der Siegessäule gegen das Iran-Regime. AP/Markus Schreiber
Das Wichtigste zur Iran-Demo am Samstag in Berlin
  • Demonstranten aus ganz Europa gehen heute in Berlin auf die Straße, um die Proteste im Iran zu unterstützen.
  • Die Demo ist um 15 Uhr an der Siegessäule gestartet. Der Protestzug soll durch das Regierungsviertel gehen.
  • 80.000 Teilnehmer haben sich an der Siegessäule versammelt.
  • Seit dem Tod von Mahsa Amini Mitte September demonstrieren im Iran Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem.
  • Es gab bei den Protesten im Iran Dutzende Tote, darunter auch Minderjährige.

Samstag, den 22. Oktober

17.25 Uhr: Zahl der Demonstranten ist auf 80.000 angestiegen

Nach Angaben der Berliner Polizei sind es am späten Nachmittag bereits rund 80.000 Demonstranten, die sich vor der Siegessäule versammelt haben. Stundenlang strömten Menschenmassen aus allen Richtungen zur Demonstration. Vereinzelt kam es zu Festnahmen, aber „die Kundgebung ist insgesamt sehr friedlich“, sagt ein Beamter aus dem Lagezentrum der Polizei.

17.12 Uhr: Protest vor der iranischen Botschaft in Berlin

Auch an der iranischen Botschaft in Berlin demonstrierten am Samstag mehrere Mitglieder der Kurdischen Gemeinde mit einer Kranzniederlegung und Schweigeminute gegen das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte im Iran.

16.37 Uhr: Tausende skandieren: „Tod Khamenei!“

Vor der Siegessäule rufen Hunderte Demonstranten „Death to Khamenei!“ („Tod Khamenei!“. Viele der Teilnehmer nennen die tote 22-jährige Iranerin Mahsa Amini Jina Amini. Auch auf Plakaten ist der Name zu lesen. Masha sei der Name, der ihr durch die Kolonialisierung gegeben wurde, so die Kritik einiger Demonstranten. 

16.07 Uhr: Viele internationale Gäste

Unter den knapp 40.000 Teilnehmern sind Demonstranten aus vielen unterschiedlichen Ländern. Der Protest hier in Berlin ist sehr international, meint Hassan aus dem Libanon, der mittlerweile in der deutschen Hauptstadt lebt. Er sagt: „Das Mindeste, was wir tun können, ist unsere Solidarität mit den Menschen im Iran zu zeigen. Es ist gut, dass die Demonstration von iranischen Menschen organisiert wurde und nicht von Deutschen.“ 

Demonstranten halten ein Plakat mit der Aufschrift „Irans oberster Führer Khamenei ist Hitler“ hoch. 
Demonstranten halten ein Plakat mit der Aufschrift „Irans oberster Führer Khamenei ist Hitler“ hoch. AFP/John MacDougall

15.51 Uhr: Böllerwürfe an der Siegessäule

Einige Demonstranten werfen Böller, vereinzelt werden Feuerwerkskörper gezündet. Nach Einschätzungen der Polizei waren am Nachmittag mindestens 37.000 Menschen vor Ort. Nushin aus Hamburg will die Frauen aus dem Iran unterstützen. Sie hat ihre abgeschnittenen Haare an ihr Plakat geklebt. Andere Demonstranten rufen laut auf Persisch:„ Die Regierung ist das Gegenteil von Freiheit“. Frauen, darunter auch Berlinerinnen, skandieren  „Frauen im Iran wollen Ohne hijab Leben “.

15.32 Uhr: Lage laut Polizei Berlin bislang einigermaßen ruhig

Immer mehr Demonstranten versammeln sich am Großen Stern, es sind bereits weit mehr als 7000 Teilnehmer. Die Polizei Berlin erklärt, dass es abgesehen von ein paar Böllerwürfen bisher friedlich ist. Es fallen viele Sprechchöre, die aber bisher noch nicht strafrechtlich relevant sind.

Eine Demonstrantin trägt das Wort „Freiheit“ auf der Stirn. 
Eine Demonstrantin trägt das Wort „Freiheit“ auf der Stirn. Gerd Engelsmann

14.05 Uhr: Schon 7000 Teilnehmer gegen 14 Uhr: „Mullah muss weg“-Rufe

Die ersten Teilnehmer haben sich gegen 14 Uhr versammelt. Laut Polizei sind es jetzt schon 7000 Menschen. Sie rufen „Mullah muss weg“ und „Woman Life Freedom“. Der Demozug startet 15 Uhr an der Siegessäule, Ecke Hofjägerallee.

Mit einer Großdemonstration durch das Berliner Regierungsviertel werden heute zahlreiche Organisationen die seit Wochen anhaltenden Proteste im Iran unterstützen. Nach Angaben der Polizei sind 50.000 Teilnehmer ab 15 Uhr an der Siegessäule in Berlin angemeldet.

Twitter-Beiträgen zufolge sind Demonstranten aus ganz Europa angereist. Die Journalistin Natalie Amiri postete am Samstagmorgen mehrere Bilder von voll besetzten Reisebussen.

Der Titel des Protests lautet: „Solidarität mit den Protestierenden im Iran“. Initiator der Demonstration ist laut Polizei das „Woman* Life Freedom Kollektiv“, das sich gegen Unterdrückung und Diskriminierung im Iran starkmachen möchte.

Iran-Demo in Berlin: Route steht laut Polizei fest

Auslöser der systemkritischen Massenproteste im Iran war der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie die Zwangsvorschriften für das Tragen eines Kopftuchs nicht eingehalten haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem.

Auch der bekannte iranische Aktivist Hamed Esmaeilion ruft zu der Demonstration auf. Nach dem Tod seiner Frau und Tochter tritt er als Aktivist bei Demonstrationen im Ausland gegen die islamische Republik auf. Seine Familie starb bei dem Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran im Januar 2020. Er soll als Hauptredner bei der Demonstration am Samstag auftreten.

Seid 11 Uhr zieht zudem ein Bündnis aus Gewerkschaften und Sozialinitiativen durch das Regierungsviertel und fordert mehr Unterstützung angesichts der steigenden Preise und zugleich eine Energiewende.

Solidarität für Iran-Proteste: Das ist die Demo-Route (Start 15 Uhr)
  • Hofjägerallee (Antreteplatz) – Großer Stern – Spreeweg – John-Foster-Dulles-Allee – Yitzhak-Rabin-Straße – Straße des 17. Juni – Straße des 17. Juni/Großer Stern (Endplatz/ausschließlich Großer Stern)