Berlin - Dutzende Polizisten und andere Betroffene haben als schwarze Sensenmänner verkleidet für höhere Entschädigungen in der sogenannten Schießstandaffäre demonstriert. In schwarze Mäntel gehüllt zogen sie mit dunklen Autos und nachgebildeten Särgen aus Kunststoff am Donnerstag durch Berlin-Mitte. 

„Berliner Polizisten vergiftet und vergessen“, stand auf einem Transparent. In einem Auto war ein gebasteltes Gespenst mit Totenkopf zu sehen. Die Demonstration führte von der Keibelstraße am Alexanderplatz zum Sitz von Innensenator Andreas Geisel (SPD) in die nahe gelegenen Klosterstraße. Mit organisiert wurde die Demo vom Verein BISS, der Betroffene vertritt.

Giftige Dämpfe und schlechte Lüftungsanlagen sollen Krebs ausgelöst haben

Schießtrainer und Polizisten von Spezialeinsatzkommandos hatten vor Jahren viel Zeit in maroden Schießständen verbracht und kritisiert, dass die Luft dort schädlich oder giftig sei. Das soll an Pulverdampf, schlechten Lüftungsanlagen und Asbest in Dämmstoffen gelegen haben. Einige Beamte seien daraufhin an Krebs erkrankt, so der Vorwurf gegenüber der Behörde. Mindestens 18 Polizisten seien daraufhin gestorben, so der Vorwurf an die Behörde. 

Nach Angaben der Behörden im Jahr 2019 wurden knapp 500 Trainern und Polizisten insgesamt 3,3 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen. Knapp 300 Anträge wurden abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft stellte die jahrelangen Ermittlungen vor etwa einem Monat ein. Ein Zusammenhang zwischen Schießtraining und Langzeiterkrankungen oder Todesfällen von Polizisten sei nicht mit erforderlicher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.

Damit hat einstige Polizei-Vizepräsidentin und heutige Generalstaatsanwältin Margarete Koppers nichts mehr von den ihr unterstellten Ermittlern zu befürchten. Abgeschlossen wurden auch die Verfahren gegen die ehemaligen Polizeipräsidenten Dieter Glietsch und Klaus Kandt. Der Vorwurf lautete Körperverletzung im Amt im Zusammenhang mit dem polizeilichen Schießtraining.