Berlin - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin fordert eine „Ausbildungsoffensive“ für pädagogisches Personal, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das Thema müsse bei den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Linken ganz oben auf die Agenda, sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann der Deutschen Presse-Agentur.

Nach seinen Worten herrscht an Schulen ein drastischer Mangel an Lehrkräften, Erziehern und Sozialpädagogen. Auch Kitas, Hochschulen und Jugendämter seien unzureichend mit Fachkräften ausgestattet. „Wir wünschen uns mehr Anstrengungen des Senats, diesem Mangel entgegenzuwirken.“ Für diesen Samstag ruft die GEW gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Bündnisses „Schule muss anders“ zu einer Demonstration für bessere Schulen auf. Die Demo startet am Samstag um 14 Uhr vor dem Haus der Statistik

Der Personalmangel an den Bildungseinrichtungen behindert aus Sicht der GEW die pädagogische Arbeit, die heute wichtiger denn je sei. „Zuletzt hat die Corona-Krise gezeigt: Wir brauchen kleinere Lerngruppen, eine verlässliche Vertretungsreserve von zehn Prozent an den Schulen, einen besseren Personalschlüssel im Ganztag und in den Kitas, weniger Fälle pro Sozialarbeiter und Sozialarbeiterin im Jugendamt“, so Erdmann. „Wir brauchen mehr Zeit für Beziehungs- und Team-Arbeit.“

Berlin: Sondierungspapier von Rot-Grün-Rot stimmt einige unzufrieden

Erdmanns Co-Vorsitzende Martina Regulin erinnerte daran, dass im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und Linken aus dem Jahr 2016 vereinbart wurde, jährlich 2000 Lehrkräfte an den Hochschulen auszubilden. „Mit zuletzt 900 wurde dieses Ziel klar verfehlt.“ Nötig sei nun, die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte und Erzieher an den Hoch- und Fachschulen zu erhöhen. Zudem müsse die Qualität des Studiums besser werden, um die Abbrecherquote zu verringern.

Bei den Koalitionsverhandlungen beschäftigt sich eine von 16 Facharbeitsgruppen mit diesen und anderen Bildungsthemen. In einem Sondierungspapier von SPD, Grünen und Linken, das Grundlage für die Verhandlungen ist, heißt es: „Zur Gewinnung, Aus- und Fortbildung von pädagogischem Fachpersonal werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, die einen nachhaltigen Personalaufwuchs ermöglichen.“ Dazu gehöre auch die Verbeamtung von Lehrkräften.