Klima-Aktivist klebt Kopf an Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“

Erneut haben Aktivisten der Initiative „Just Stop Oil“ ein bekanntes Gemälde angegriffen. Beobachter reagieren zunehmend gereizt.

Johannes Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (Original: Het Meisje met de Parel).
Johannes Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (Original: Het Meisje met de Parel).imago/AGB Photo

In den Niederlanden haben Klima-Aktivisten aus Protest erneut ein Kunstwerk attackiert: Nach Angaben des Mauritshuis in Den Haag klebten sich zwei Aktivisten am Donnerstag an Johannes Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ sowie an der angrenzenden Wand fest, während eine dritte Person eine „unbekannte Substanz“ auf das berühmte Gemälde schüttete. Das Bild sei hinter Glas gewesen und unbeschädigt geblieben. Die Polizei meldete drei Festnahmen.

Ein auf Twitter gepostetes Video zeigt die chaotische Interaktion zwischen Klimaschützern und Museumsbesuchern. Darauf ist zu sehen, wie sich einer der Aktivisten zunächst mit dem Kopf an Vermeers über 300 Jahre alten Öl-Gemälde festklebt. Anschließend kippt jemand dem Mann den Inhalt einer Konservendose in den Nacken – es könnte sich um Dosentomaten handeln – während dieser sein Hemd auszieht und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Just Stop Oil“ enthüllt. Die umstehenden Besucher stöhnen auf.

Tomatensuppe, Kartoffelbrei, Schokokuchen: Angriffe auf Gemälde nehmen zu

„Wie fühlt sich das an?“, fragt einer der Aktivisten, der mit einer Hand an der Wand neben dem Gemälde festgeklebt ist und in der anderen noch immer die Konserve hält. „Zu sehen, wie etwas schönes und unbezahlbares vor euren Augen zerstört wird? Seid ihr wütend? Wo ist diese Wut, wenn ihr dabei zuseht, wie der Planet zerstört wird?“. Die einhellige Antwort der Beobachter: „Halt die Klappe.“

„Just Stop Oil“ hatte in den vergangenen Wochen verschiedene medienwirksame Aktionen veranstaltet. Unter anderem überschütteten Aktivisten in Londons National Gallery Vincent Van Goghs Meisterwerk „Sonnenblumen“ mit Tomatensuppe, am Montag bewarfen Aktivisten die Wachsfigur von König Charles III. bei Madame Tussauds in London mit Schokoladenkuchen. Mit ihren Aktionen will die Klimaschutzorganisation einen Stopp aller neuen Öl- und Gasprojekte erreichen.

„Kunst ist wehrlos“

Das Museum in Den Haag kritisierte die Aktion der Klimaaktivisten. „Kunst ist wehrlos, und der Versuch, sie aus welchem Grund auch immer zu beschädigen, wird von uns aufs Schärfste verurteilt“, erklärte das Mauritshuis. Nach Angaben eines Wachmanns wird der Raum, in dem das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ normalerweise hängt, für den Rest des Tages geschlossen bleiben. Vermeers berühmtes Bild soll laut dem Museum aber „so bald wie möglich“ wieder ausgestellt werden.

Auch in Deutschland haben Aktivisten eine Debatte um die Rechtmäßigkeit solcher Protestformen im Namen des Klimas ausgelöst. Am Sonntag hatten zwei Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ ein Gemälde des impressionistischen Malers Claude Monet im Potsdamer Museum Barberini mit Kartoffelbrei beworfen. Neben vereinzelter Zustimmung sehen sich die Aktivisten derzeit vor allem mit Kritik an ihren Aktionen konfrontiert. „Kunst für den Klimaschutz zu attackieren – das ist aus meiner Sicht definitiv der ganz falsche Weg“, schrieb Kulturstaatsministerin Claudia Roth in einem Gastbeitrag für den Focus.

Kunstmuseen befürchten weitere Attacken auf bekannte Gemälde. Der Stresspegel beim Personal sei hoch, erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Museumsbundes, David Vuillaume. „Den Schaden haben die Museen. Und damit wir alle“, sagte Brandenburgs Kulturstaatssekretär Tobias Dünow. Die Aktivisten der „Letzten Generation“ hingegen fragten in einem Twitter-Post: „Was ist mehr wert #FürAlle – Kunst oder Leben?“