„Der Song ist Mist“: Nick Cave wettert gegen Texte von Künstlicher Intelligenz

Der Musiker bekommt ständig Lieder zugeschickt, die von dem neuen Programm ChatGPT geschrieben wurden. In seinem Newsletter teilt er gegen die Technologie aus.

Rocksänger Nick Cave hält nicht viel von Songtexten, die von einer KI geschrieben wurden.
Rocksänger Nick Cave hält nicht viel von Songtexten, die von einer KI geschrieben wurden.dpa/Olafur Steinar Gestsson/Ritzau Scanpix

Kann eine Künstliche Intelligenz (KI) Songtexte schreiben, die auch aus der Feder des berühmten Sängers Nick Cave stammen könnten? Einige Fans des australischen Künstlers probierten es mithilfe der Software ChatGPT aus. Etliche Ergebnisse dieser Bemühungen seien ihm zugeschickt worden, schreibt der Musiker jetzt in seinem Newsletter „The Red Hand Files“ . Dabei lässt er keinen Zweifel aufkommen, dass die Technologie eben keinen guten Songwriter ersetzen kann. 

Cave antwortete einem seiner Fans, der ihm einen von der Software erstellten Songtext zuschickte: „Was ChatGPT in diesem Fall ist, ist eine Reproduktion als Travestie. ChatGPT kann vielleicht eine Rede oder einen Aufsatz oder eine Predigt oder einen Nachruf schreiben, aber es kann keinen echten Song schreiben.“ Cave sei bewusst, dass ChatGPT noch in den Kinderschuhen stecke und das vielleicht auch immer so bleiben werde. KI müsse „immer weitergehen, immer vorwärts, immer schneller“. Der 65-Jährige sieht darin den Weg in „eine utopische Zukunft oder unsere totale Zerstörung“.

ChatGPT: Die Lösung aller Textprobleme in der Zukunft?

Doch was ist ChatGPT überhaupt? Dabei handelt es sich um eine KI, die angeblich kreative Texte schreiben kann, die auch von Menschen stammen könnten. Es ist ein Sprachmodell, das von der Firma OpenAI entwickelt wurde. Es soll unter anderem dafür verwendet werden, um natürliche Sprachaufgaben wie das Generieren von Texten, die Beantwortung von Fragen und die Übersetzung von Texten zu erledigen.

OpenAI wird übrigens hauptsächlich durch Spendengelder finanziert – die größten Geldgeber sind Elon Musk und das Unternehmen Microsoft, welches gerade angekündigt hat, die Technologie in seine Cloud-Dienste integrieren zu wollen. Auch die Suchmaschine Bing und die Bürosoftware Office könnten mit der KI aufgewertet werden.

Cave zitiert in der Antwort an den Fan aus Neuseeland den kompletten Text des ChatGPT-Songs (aus dem Englischen übersetzt). Der Refrain etwa geht so:

Ich bin der Sünder, ich bin der Heilige
Ich bin die Dunkelheit, ich bin das Licht
Ich bin der Jäger, ich bin die Beute
Ich bin der Teufel, ich bin der Retter

Cave kommt zu folgendem Ergebnis: „Der Song ist Mist“. ChatGPT möge in der Lage sein, Texte bestimmter Genres zu erzeugen, doch dieser Song sei bloß „eine Reproduktion“. Das werde auch so bleiben, denn für Cave sind menschliche Gefühle eben nicht durch Algorithmen zu ersetzen. Songs würden laut dem Songwriter aus dem „komplexen, inneren Kampf des Menschen um die Schöpfung“ heraus entstehen. Aber „Daten leiden nicht“, so Cave. Auch das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtete.