Als Reaktion auf den umstrittenen neuen Israel-Bericht von Amnesty International hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) die Menschenrechtsorganisation zur Rückgabe des Friedensnobelpreises aufgefordert. Amnesty habe sich mit dem Bericht, in dem Israel ein System der „Apartheid“ gegenüber den Palästinensern vorgeworfen wird, „endgültig und zweifelsfrei als antisemitisch“ entlarvt, erklärte DIG-Präsident Uwe Becker am Mittwoch. Die Organisation habe den Friedensnobelpreis zu Unrecht erhalten.

Wer behaupte, die einzige Demokratie im Nahen Osten sei ein „Apartheidstaat, der Palästinenser als ‚minderwertige Rasse‘ behandele, verbreite bewusst Lügen und scheue sich nicht, dabei nationalsozialistischen Jargon zu verwenden“, kritisierte Becker. Amnesty International warf er vor, „Realitäten“ auszublenden - etwa jene, dass die israelische Bevölkerung zu 20 Prozent aus Palästinensern bestehe, „die sich eindeutig zum Staat Israel bekennen“.

Der von Amnesty International vorgelegte neue Israel-Bericht hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Die Menschenrechtsorganisation beschuldigt den Staat Israel darin, Palästinenser sowohl in den besetzten Gebieten als auch in Israel selbst als „minderwertige“ ethnische Gruppe zu behandeln und sie „systematisch ihrer Rechte“ zu berauben. Die deutsche Amnesty-Sektion erklärte, wegen ihrer „besonderen Verantwortung“ aufgrund der deutschen Geschichte und zur Vermeidung von „Missinterpretationen des Berichts“ keine Aktivitäten dazu vorzunehmen.

Bereits am Dienstag hatte auch der Zentralrat der Juden in Deutschland Amnesty International Antisemitismus und eine „Dämonisierung“ Israels vorgeworfen. Israels Außenminister Yair Lapid erklärte, der Bericht enthalte „Lügen“, die von „Terrororganisationen verbreitet“ würden.