Dresden -  Die Gießener AfD-Bundespolitikerin Joana Cotar will sich um die Spitzenkandidatur der Partei für die diesjährige Bundestagswahl bewerben. Sie könnte die Nachfolgerin von der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel werden, die 2017 zusammen mit Alexander Gauland ein Spitzenduo im Bundestagswahlkampf führte. Die digitalpolitische Sprecherin der AfD stammt ursprünglich aus Rumänien. Cotar floh mit ihrer Familie nach Deutschland, als sie fünf Jahre alt war. Sie ist seit der Parteigründung 2013 AfD-Mitglied und baute nach eigenen Angaben „die Partei in Hessen mit auf“. Während ihrer Studienzeit war sie Mitglied der CDU. In Hessen steht Cotar auf Platz zwei der Landesliste. Sie ist Beisitzerin im Bundesvorstand der AfD.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Germanistin arbeitete als Eventmanagerin bei Finanzinstituten in Deutschland und der Schweiz, zuletzt als Projektmanagerin in der IT-Branche. Nach Spiegel-Informationen soll ihr Bruder angeblich früher millionenschwere Geschäfte mit Technologieunternehmen, die der Kreml kontrolliert, gemacht haben. Cotar und ihr Bruder bestreiten mögliche Interessenskonflikte.

Cotar nennt sich selbst „eine von den Freiheitlichen“ in der AfD. Freiheit sei ihr zentrales Thema. In den Flügelkämpfen der AfD sieht sie eine Gefahr für den Bestand der gesamten Partei. In der Internetzeitung „The GermanZ“ warb sie kürzlich indirekt für ein Team mit dem Ko-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla, dem gute Chancen auf eine Spitzenkandidatur vorausgesagt werden: „Ost und West, Mann und Frau, Sozial und Freiheitlich.“

Cotar gilt als Vertraute des Co-Parteivorsitzenden Meuthen. Auf Cotar angesprochen, sagte Meuthen: „Meine Unterstützung hat sie, uneingeschränkt.“ Bei einer Mitgliederbefragung hatte sich die Mehrheit der teilnehmenden AfD-Mitglieder dafür ausgesprochen, die Frage der Spitzenkandidatur nicht vom Bundesparteitag klären zu lassen, sondern später von den Mitgliedern. Die Bundesvorstandsmitglieder, die für dieses Verfahren geworben hatten, begründeten dies damit, dass noch nicht alle Landesverbände ihre Kandidaten für die Bundestagswahl gewählt haben.

Der Bundesparteitag auf dem Messegelände in Dresden findet am Wochenende trotz Corona nicht virtuell statt. Schon im Vorfeld gab es am Samstagmorgen zahlreiche Proteste in der sächsischen Hauptstadt.