Berlin - Der seit Anfang Juni angekündigte Arbeitskampf der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) verschiebt sich tiefer in den Sommer hinein. GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky kündigte bei einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag an, es solle zunächst eine „Urabstimmung“ unter den Gewerkschaftsmitgliedern geben, die GDL wolle nicht „zu Warnstreiks von einigen Stunden oder einem Tag aufrufen“.

Die Auszählung der Abstimmung sei für den 9. August geplant. Weselsky rechne mit einer hohen Zustimmung zum Streik. „Wir vertrauen auf unsere starken Mitglieder und auf ihre Solidarität und wir wurden bisher noch nie enttäuscht. Außerdem haben wir viel Erfahrung mit schwierigen Arbeitgebern und komplizierten Tarifkonflikten. Wir sind für den Tarifkonflikt mit der DB bestens gerüstet.“

Hintergrund der angekündigten Warnstreiks sind die wegen der Pandemie vorgezogenen Tarifverhandlungen. Ein großer Streitpunkt mit dem Arbeitsgeber-Konzern Deutsche Bahn ist das seit Januar geltende Tarifeinheitsgesetz (TEG). Demnach sollen für alle Beschäftigten die Tarifbeschlüsse der größeren der beiden Bahn-Gewerkschaften gelten, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Gegen die im Herbst mit der EVG  beschlossenen und als „moderat“ bezeichneten Tariferhöhungen wehrt sich die GDL seither.

Deutsche Bahn: Gewerkschaft befindet sich auf „Geisterfahrt“

Die Deutsche Bahn brachte am Donnerstag eine weitere Schlichtung ins Gespräch. „Der Lösungsweg ist für uns nicht relevant. Wir sind offen auch für eine Schlichtung“, sagte Personalvorstand Martin Seiler am Donnerstag. Die Gewerkschaft müsse an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Ein erfolgloses Schlichtungsverfahren mit der GDL hatte es erst im Herbst gegeben. Die folgenden Tarifverhandlungen hat die GDL für gescheitert erklärt und Arbeitskampfmaßnahmen beschlossen.

Zum letzten Mittel greifen: Arbeitskampf

Seiler sagte, die Gewerkschaft sei auf einer „Geisterfahrt“. Nach den schweren Monaten der Corona-Pandemie wolle sie den Reisenden „das Sommermärchen zerstören“: „Es geht ihr nicht um ein Verhandlungsergebnis am Tisch, es geht um Eigeninteressen der Gewerkschaft.“

Die GDL sieht in der Haltung der Deutschen Bahn dagegen Provokation und lehnt die aus ihrer Sicht „schwachen“ Einigungen mit der EVG für sich ab. Weselsky sagte: „Wir werden unsere Eisenbahnerinnen und Eisenbahner nicht mit Minusrunden abspeisen lassen und deshalb greifen wir zum letzten Mittel, dem Arbeitskampf.“