Bonn - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) will als Reaktion auf den Wirecard-Skandal einem Medienbericht zufolge eine strengere Überwachung unter anderem der Deutschen Börse prüfen. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf interne Unterlagen meldet, sollen Firmengruppen im Fokus stehen, die eine ähnliche Struktur wie Wirecard haben.

„Es geht um Firmenkonglomerate, die eine oder mehrere regulierte Banktöchter haben, die aber als Ganzes bisher nicht als Finanzholding eingestuft wurden“, so die Zeitung. Das vor seiner Insolvenz als Zahlungsdienstleister tätige Unternehmen Wirecard war von den Behörden stattdessen als Technologiekonzern gesehen worden. Die Deutsche Börse ist demnach bisher ebenfalls nicht als Finanzholding eingestuft, was nach Angaben von Experten aber nicht mehr zeitgemäß sei, heißt es in dem Bericht. 

„Es wäre sinnvoll, die Börsenaufsicht zentral zu bündeln: in einem ersten Schritt deutschlandweit bei der Bafin, in einem zweiten Schritt langfristig europaweit bei der Esma“, zitiert das Handelsblatt Michael Zollweg, der bis 2019 die Handelsüberwachungsstelle der Deutschen Börse leitete. Esma steht für die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority). Die für die Aufsicht zuständigen Abteilungen in den Regierungen der Bundesländer hätten nicht ausreichend Ressourcen, „um global bedeutsame Handelsplätze wie die Derivatebörse Eurex und die Frankfurter Wertpapierbörse zu kontrollieren“.