Das engste Umfeld von Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist nach Erkenntnissen deutscher Ermittler tief in den internationalen Drogenhandel verstrickt. Vor dem Landgericht Essen begann am Mittwoch ein Prozess gegen vier Männer, die Drogen mit einem Verkaufswert von rund 130 Millionen Euro aus Syrien Richtung Europa verschifft haben sollen. Auch die Führung um Staatschef Assad soll daran mitverdient haben.

Mehrere Container mit Drogen sollten laut Anklageschrift weiter nach Saudi-Arabien transportiert werden, wurden aber vom Zoll in Rumänien abgefangen. Zum Prozessauftakt äußerten sich die 23 bis 55 Jahre alten Angeklagten aus Gladbeck, Speyer und Straubing zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Die Container mit mehreren Millionen Captagon-Tabletten und anderen Drogen kamen aus der syrischen Hafenstadt Latakia, die in dem Bürgerkriegsland von der Regierung beherrscht wird. „Sämtliche Betäubungsmitteltransporte standen und stehen unter der Kontrolle des syrischen Regimes von Baschar al-Assad, das finanziell an den Lieferungen mitverdient“, hieß es in der zum Prozessauftakt verlesenen Anklage der Staatsanwaltschaft Essen.

Syrische Eliteeinheit bekam offenbar Schutzgeld

Für jeden Container, der Syrien verließ, mussten demnach umgerechnet rund 340.000 Euro an die 4. Division der syrischen Armee abgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine in Syrien berüchtigte Eliteeinheit, die von Mahir al-Assad, dem jüngeren Bruder des Staatschefs, kommandiert wird.

Experten haben schon seit längerem keine Zweifel, dass Gefolgsleute von Assad bei der Produktion von Drogen in Syrien und dem internationalen Schmuggel eine zentrale Rolle spielen. Mitglieder der Regierung seien mittlerweile „Hauptakteure des Captagon-Handels“, schlussfolgerten unter anderem die Autoren einer Studie des in Washington ansässigen New Lines Institute. Die Einnahmen dienen nicht zuletzt dazu, die Herrschaft Assads in dem Land zu sichern.

In Syrien tobt seit mehr als elf Jahren ein Bürgerkrieg. Assads Anhänger kontrollieren mittlerweile wieder rund zwei Drittel des Landes. Viele Gebiete sind noch immer zerstört, weil das Geld für den Wiederaufbau fehlt. Zudem leidet Syrien unter einer Wirtschaftskrise.