Zwei weitere deutsche Konzerne ziehen sich als Reaktion auf den Ukraine-Krieg aus Russland zurück – der Konsumgüterkonzern Henkel und der Softwarekonzern SAP. Das kündigten die Unternehmen am Dienstag an.

Der Konzern Henkel mit Marken wie Persil, Pril und Schwarzkopf will seine Geschäfte in Russland vollständig aufgeben. Der Umsetzungsprozess werde vorbereitet, ein geordneter Ablauf solle gewährleistet werden, teilte Henkel mit. Die 2500 Beschäftigten in Russland sollen demnach so lange noch bezahlt werden. Die finanziellen Auswirkungen des Schritts kann der Konzern „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht angeben, wie er weiter mitteilte.

Henkel hatte Anfang März mitgeteilt, dass der Konzern angesichts des Kriegs in der Ukraine alle geplanten Investitionen in Russland stoppe, die Werbung in staatlichen Medien und alle Sponsoringaktivitäten in Russland beende und überdies „allen Sanktionen gegen Russland, seine Regierung und den Finanzsektor vollumfänglich entsprechen“ werde. Die lokale Produktion und den Verkauf im Land – vor allem von Produkten des täglichen Bedarfs – setzte das Unternehmen aber bislang fort.

Henkel-Chef Carsten Knobel erklärte am Dienstag, der Konzern verurteile den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Gewalt gegen unschuldige Zivilisten. Henkel erwirtschaftete nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rund fünf Prozent des Konzernumsatzes in Russland. Der Konzern folgt mit der Geschäftsaufgabe nun einer ganzen Reihe westlicher Firmen, die wegen des Ukraine-Kriegs ihr Russland-Geschäft aussetzen oder ganz beenden.

SAP kündigt neue Rückzugsschritte an

Auch der Softwarekonzern SAP will angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine den russischen Markt verlassen. Das Unternehmen mit Sitz in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) kündigte am Dienstag in einer Mitteilung zwei weitere Schritte „für den geordneten Ausstieg aus unserem Geschäft in Russland“ an. Zuvor hatte SAP bereits sein Neu- und Cloud-Geschäft in dem Land eingestellt.

Hinsichtlich seiner Cloud-Dienste hatte SAP nicht von Sanktionen betroffene Unternehmen bereits vor die Wahl gestellt, Daten löschen zu lassen, diese in Eigenregie zu übernehmen oder sie in ein Rechenzentrum außerhalb von Russland zu überführen. SAP kündigte nun an, die Verträge russischer Firmen, die sich für eine Migration der Daten ins Ausland entschieden hätten, nach Ablauf der Abonnementlaufzeit nicht zu verlängern.

Zudem beabsichtige SAP, den Support und die Wartung für Produkte, die auf lokalen Servern in Russland installiert sind (On-Premise), einzustellen. „Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen, wie sich diese Entscheidung umsetzen lässt“, teilte das Unternehmen mit. Das Hauptaugenmerk liege darauf, den rechtlichen Verpflichtungen gegenüber nicht sanktionierten Kunden weiter nachzukommen.