Ein Segelschiff der deutschen Nichtregierungsorganisation Resqship hat vor der Küste Libyens 75 Migranten aus Seenot gerettet. Die Menschen wurden in der Nacht zu Montag an das Rettungsschiff „Ocean Viking“ der europäischen Organisation SOS Méditerranée übergeben, wie beide Organisationen am Montag mitteilten. Insgesamt befinden sich nach mehreren Rettungsaktionen nun 296 Migranten an Bord der „Ocean Viking“.

Das Segelschiff „Nadir“, das sich auf Beobachtungsmission im Mittelmeer befand, hatte das Schlauchboot mit den Migranten vor der libyschen Küste gesichtet. Der Motor war ausgefallen, das Boot war seeuntüchtig. An Bord befanden sich laut Resqship auch zwei Verletzte.

Während die Crew mit der Erstversorgung beschäftigt war, tauchte ein Schiff der libyschen Küstenwache auf und forderte die Übergabe der Migranten. Dies habe die Besatzung der „Nadir“ „kategorisch abgelehnt“, weil es internationalem, EU- und deutschem Recht widerspreche, erklärte Friedhold Ulonska, Skipper auf der „Nadir“.

Das zentrale Mittelmeer gilt als gefährlichste Fluchtroute der Welt

Die Geretteten wurden schließlich an die „Ocean Viking“ übergeben, die nach einer weiteren Rettungsaktion am Montag nach Angaben von SOS Méditerranée nun 296 Gerettete an Bord hat. Zu den 75 Geretteten von der „Nadir“ kamen demnach noch 64 Frauen, Männer und Kinder von einem Holzboot hinzu, die in der Such- und Rettungszone vor Malta einen Notruf abgesetzt hatten. An ihrer Rettung war den Angaben zufolge auch das Segelschiff „Astral“ der spanischen Organisation Open Arms beteiligt.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) bezeichnet das zentrale Mittelmeer als gefährlichste Fluchtroute der Welt. Die Organisation schätzt die Zahl der Toten und Vermissten auf der Route allein für das vergangene Jahr auf 1553.