Deutschlands größte Städte machen sich für Vorkaufsrecht stark

Seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist die Lage beim Vorkaufsrecht schwierig. Berlin und zwei andere Städte wollen das mit einer Initiative ändern.

Hochhäuser mit Wohnungen stehen nahe der Leipziger Straße. Berlin möchte gemeinsam mit Hamburg und München das Vorkaufsrecht zum Schutz der Mieter stärken. (Symbolbild)
Hochhäuser mit Wohnungen stehen nahe der Leipziger Straße. Berlin möchte gemeinsam mit Hamburg und München das Vorkaufsrecht zum Schutz der Mieter stärken. (Symbolbild)dpa/Christoph Soeder

Deutschlands größte Städte Berlin, Hamburg und München wollen gemeinsam das gemeindliche Vorkaufsrecht stärken und so Bewohner besser vor Verdrängung schützen. Ziel sei eine gesetzliche Neuregelung auf Bundesebene, weil nur so eine rechtssichere Ausübung des gemeindlichen Vorkaufsrechts zum Schutz der Wohnbevölkerung gewährleistet werden könne, teilten die Städte am Mittwoch mit. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (alle SPD) appellierten an den Bund und die Länder, an einer bundesweiten Lösung mitzuwirken.

Dieses Urteil ist der Ursprung der Gemeinschaftsinitiative

Hintergrund der gemeinsamen Initiative ist den Angaben zufolge ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. November 2021. Damals hatten die Richter entschieden, dass die Ausübung des Vorkaufsrechts ausgeschlossen ist, wenn das Grundstück zum Ausübungszeitpunkt im Sinne der Sozialen Erhaltungssatzung regulär genutzt wird. Das Bundesverwaltungsgericht hatte die gesetzliche Vorschrift damit so ausgelegt, dass es nur auf den Zustand zum Zeitpunkt des Verkaufs ankommt und nicht auf etwaige Absichten des Käufers in der Zukunft.

Aus Sicht der Städte bedeutet das jedoch, dass das gemeindliche Vorkaufsrecht in Stadtteilen mit Milieuschutz nicht ausgeübt werden kann und mit den Käufern auch keine Abwendungserklärungen geschlossen werden können, wenn nur für Bewohner nachteilige, zukünftige Nutzungsabsichten der Erwerber als Begründung angeführt werden. Dabei seien Vorkaufsrechte gerade auf angespannten Wohnungsmärkten in Gebieten mit sozialen Erhaltungsverordnungen ein wichtiges Instrument, um gewachsene Strukturen zu schützen, bezahlbaren Mietwohnraum zu erhalten und Immobiliengeschäften mit spekulativer Absicht entgegenzuwirken.

Giffey: Schutz der Mieter bei angespannten Wohnungsmärkten

„Überall dort, wo die Wohnungsmärkte angespannt sind, brauchen wir wirksame und rechtssichere Instrumente zum Schutz von Mieterinnen und Mietern“, sagte Berlins Regierungschefin Giffey. Deshalb hätten sich Berlin, Hamburg und München auf den Weg gemacht und appellierten an den Bund und die Länder, den Kommunen Vorkaufsrechte und Abwendungsvereinbarungen zu ermöglichen. „Das Wohnen in der Stadt muss bezahlbar bleiben“, betonte Hamburgs Bürgermeister Tschentscher. Das Vorkaufsrecht sei dafür ein wichtiges Instrument.

Münchens Oberbürgermeister Reiter wies darauf hin, dass die Kommunen ohnehin nur wenige Möglichkeiten hätten, Mieterinnen und Mieter wirksam zu schützen. Die jetzige Situation ohne Vorkaufsrecht „bedeutet für viele Mieterinnen und Mieter vor allem große Unsicherheit, ob ihre Wohnung auch morgen noch bezahlbar bleibt“.