Mehrheit der Deutschen wünscht sich mehr Diplomatie zur Beendigung des Ukraine-Kriegs

Die Bemühungen der Bundesregierung gehen für 55 Prozent der Befragten nicht weit genug. Bei den Themen Waffenlieferungen und Russland-Sanktionen gehen die Meinungen auseinander.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat mit Blick auf künftige diplomatische Bemühungen für ein Ende des Krieges gegen die Ukraine kürzlich erst betont, dass es sich dabei nicht um einen russischen Diktatfrieden handeln könne. 
Bundeskanzler Olaf Scholz hat mit Blick auf künftige diplomatische Bemühungen für ein Ende des Krieges gegen die Ukraine kürzlich erst betont, dass es sich dabei nicht um einen russischen Diktatfrieden handeln könne. dpa/Kay Nietfeld

Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich laut einer Umfrage mehr Diplomatie zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. 55 Prozent der Befragten sagten im ARD-„Deutschlandtrend“, dass die diplomatischen Bemühungen der Bundesregierung nicht weit genug gingen, wie der WDR am Donnerstag mitteilte. Im Vergleich zu einer Vorgängerumfrage aus dem Juni bedeutet dies ein Plus um 14 Prozentpunkte.

Nur noch drei von zehn Befragten halten demnach die diplomatischen Bemühungen derzeit für ausreichend. Eine stärkere diplomatische Initiative wurde vor allem von Anhängern der AfD, Linkspartei und FDP gewünscht. Sie forderten etwa zu gleichen Anteilen (jeweils etwa vier von zehn) „auf jeden Fall“ mehr diplomatische Bemühungen durch die Bundesregierung. Die Anhänger der anderen im Bundestag vertretenen Parteien waren zurückhaltender, da sie mögliche Nachteile für die Ukraine befürchteten.

Für die Forderung der Ukraine, dem Land mehr Waffen zu liefern, gab es in der Umfrage keine Mehrheit. 41 Prozent der Befragten halten die deutsche Unterstützung mit Waffen derzeit für angemessen. Nur rund jedem Fünften (21 Prozent) geht die Unterstützung nicht weit genug, 30 Prozent geht sie bereits zu weit. Auch bei den Russland-Sanktionen gehen die Meinungen auseinander: 37 Prozent sehen sie als zu harmlos an, 31 Prozent halten sie für angemessen und 23 Prozent finden sie zu weitgehend.

Deutsche machen sich Sorgen, Rechnungen nicht bezahlen zu können

Auf die Preissteigerungen infolge des Krieges blicken viele Befragte mit Sorge. 66 Prozent machen sich den Angaben zufolge große oder sehr große Sorgen, dass sie Rechnungen nicht mehr bezahlen können - im Vergleich zum Oktober ein Plus um neun Prozentpunkte.

Für den „Deutschlandtrend“ hatte das Meinungsforschungsunternehmen Infratest dimap von Montag bis Mittwoch dieser Woche 1307 Wahlberechtigte befragt. Die statistische Fehlertoleranz wurde mit plus/minus zwei bis drei Prozentpunkten angegeben.