HamburgDie Band Die Ärzte hat am Freitagabend die ARD-Tagesthemen musikalisch eröffnet - das erste Mal Livemusik in der Sendung überhaupt. Gleichzeitig waren die drei Mitglieder als Interviewgäste zum Thema Musik in der Corona-Krise eingeladen.

„Das Problem ist tatsächlich, wir nehmen Kultur als gegeben hin, Kultur ist einfach immer da“, sagte Urlaub. Dabei falle zu wenig auf, dass Kultur nicht nur kommerziell erfolgreiche Bandmusiker brauche, sondern einen ganzen Unterbau: Clubbetreiber, Technik- und Aufbauhelfer sowie kleinere Bands, die noch keine Plattenverträge haben. Wenn das wegbreche, sei das ein „langfristiger Schaden“.

Schlagzeuger Bela B. berichtete, dass wegen der fehlenden Auftrittmöglichkeiten in der Krise viele dieser Menschen seit sieben Monaten keine Arbeit hätten. „Wir hoffen, die Politiker dazu zu bringen, diese Branche mit 1,4 Millionen Menschen auch zu sehen“, so B.

Autokonzerte oder Streamkonzerte spielten für die Band als Überbrückungsmöglichkeit in der Corona-Krise keine Rolle, sagte der Schlagzeuger: „Das passt nicht zu uns. Unser Publikum muss sich aneinander reiben.“ Ihre geplante Tour hatten Die Ärzte auf das nächste Jahr verschoben.

„Wir müssen uns wahrscheinlich damit abfinden, dass solange Corona so wütet wie jetzt gerade, dass die Art von Konzerten, die wir gerne spielen, einfach nicht möglich sind“, sagte Urlaub. Für kleinere, weniger bekannte Bands oder Clubbetreiber und die Techniker sei die Situation aber schlimmer.

Auf die Frage, wie groß ihre Befürchtung sei, „dass in Sachen Clubs im nächsten Jahr Kahlschlag herrscht“, hatten die Ärzte - beziehungsweise Bela B. - im Interview mit der Berliner Zeitung gesagt, diese sei sehr groß und zwar nicht nur auf Berlin bezogen.