Polizeiwache am Kottbusser Tor in Kreuzberg: Bürgermeisterin hält Standort für ungeeignet

Clara Herrmann will den geplanten Standort nicht. Man hätte die Pläne frühzeitig mit den Anwohnern absprechen müssen.

Die neue Polizeiwache soll in ein ehemaliges Wettbüro neben dem Café Kotti einziehen.
Die neue Polizeiwache soll in ein ehemaliges Wettbüro neben dem Café Kotti einziehen.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Die geplante Polizeiwache am Kriminalitätsschwerpunkt Kottbuser Tor in Berlin-Kreuzberg entsteht aus Sicht des Bezirksamts in den falschen Räumen. „Aus meiner Sicht ist der Ort nicht geeignet“, sagte die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann (Grüne), der Berliner Morgenpost (Sonntag). Die Wache soll Anfang 2023 in den ersten Stock eines Hochhauses am Kottbusser Tor einziehen, direkt neben dem Café Kotti.

„Es ist versäumt worden, frühzeitig mit der Nachbarschaft drüber zu reden“, kritisierte Herrmann. Mit diesem Ort seien Ängste verbunden. „Etwa die Frage: Haben wir dann eine Polizeiwache, die von oben auf uns runter guckt?“ Herrmann sagte, sie könne auch verstehen, dass das Thema Videoüberwachung viele Menschen am Platz beschäftige.

„Die Auswahl des Ortes ist meiner Meinung das eine, aber das andere ist das Konzept“, fügte sie hinzu. Die Polizei müsse mit Gewerbetreibenden und Anwohnern im Gespräch sein. „Die Menschen am Kottbusser Tor wünschen sich Kontaktbereichsbeamte.“ Herrmann sagte, es brauche auch „niedrigschwellige Hilfsangebote“ wie den neuen Drogenkonsumraum am Kottbusser Tor. „Uns hilft es nichts, wenn die Drogenszene von einem Platz zum anderen verdrängt wird.“

Kosten 15 Mal höher als geplant

Das Kottbusser Tor ist seit Jahrzehnten ein bekannter Ort des Nachtlebens – aber auch berühmt-berüchtigt für Straßenkriminalität und Drogenhandel. Die Nachbarschaft ist beim Thema Polizeiwache gespalten: Es gibt einerseits Hoffnung, dass die Gegend dadurch gewinnt, andererseits aber auch teils heftige Ablehnung. Im Mai wurde bekannt, dass die Kosten für die Polizeiwache um das 15-Fache höher ausfallen sollen, als zu Beginn geplant war: 3,75 Millionen statt 250.000 Euro sind nun für das Bauvorhaben veranschlagt.

Im Juni wurde der Mietvertrag unterschrieben, doch es gibt weiterhin Gegenwehr. Grünen- und Linke-Bezirkspolitiker forderten einen Baustopp, das Bündnis „Kotti für Alle“ veranstaltete am vergangenen Samstag eine Protest- und Infoveranstaltung.