Patrick Mahomes wirft knallharte Touchdown-Pässe in Lederhosen, Helene Fischer trällert die Nationalhymne - und die Hot Dogs gibt es mit ordentlich Sauerkraut? Nein, vielleicht nicht ganz. Aber die NFL wird sich sicher reichlich Marketing-Tam-Tam einfallen lassen, wenn sie künftig einmal im Jahr das Super-Bowl-Feeling nach „Good Old Germany“ bringt. Der Siegeszug des Footballs hierzulande soll unaufhaltsam weitergehen.

„Das wird sofort einen Riesenhype auslösen. Mit dem Spiel in Deutschland wird es eine regelrechte Explosion geben“, sagte Ex-Profi Sebastian Vollmer, zweimaliger NFL-Champion mit den New England Patriots, der Sports Illustrated. Das erste NFL-Spiel auf deutschem Boden wird in der kommenden Saison in München stattfinden. Dies bestätigte NFL-Boss Roger Goodell am Mittwoch. Zudem wurde Frankfurt ausgewählt, insgesamt finden in den kommenden vier Spielzeiten vier Partien in Deutschland statt. Beide Städte werden je zwei Spiele austragen.

„Wir sind glücklich, München und Frankfurt in der NFL-Familie willkommen zu heißen, und freuen uns darauf, die deutschen Fans mit NFL-Spektakel belohnen zu dürfen“, sagte Goodell.

Wie der Sport in der vergangenen Dekade in Deutschland Fuß fasste und zum Publikumshit wurde, haben die Entscheider in der USA sorgfältig verfolgt. 2007 wagte sich die NFL bereits mit Partien nach Europa, genauer gesagt nach London. Schon dort sei „die Begeisterung gestiegen“, sagte der deutsche Patriots-Profi Jakob Johnson, „und da sind bestimmt 50 Prozent der Leute aus Deutschland angereist“. Es waren zwar „nur“ 6000, doch die NFL wurde aufmerksam.

Über die Jahre wuchs die Popularität weiter, auch dank der bei vielen Fans beliebten Übertragungen des Formats „ranNFL“ von ProSiebenSat.1, das die Liga seit 2012 im Free-TV zeigt - dazu kommt im Pay-TV der Streamingdienst DAZN, welcher beispielsweise die Konferenzschaltung RedZone in dieser Saison auch mit deutschen Kommentatoren präsentierte. Dort werden in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr) wieder zahlreiche Fans einschalten, wenn die Cincinnati Bengals und die Los Angeles Rams im Super Bowl stehen. Der Football drängt eben immer weiter über den großen Teich nach Europa.

Welche Teams können die deutschen Fans aber künftig erwarten? „Ich versuche, jeden hier zu bearbeiten, dass die Patriots den Zuschlag erhalten - weil ich denke, dass das der entscheidende Schritt ist“, hatte Johnson vergangenen Herbst gesagt. Im Dezember vergab die NFL die Vermarktungsrechte für Deutschland unter anderem tatsächlich an die Patriots und die Kansas City Chiefs mit Star-Quarterback Mahomes, die bereits eine Partnerschaft mit Bayern München pflegen. Auch die Tampa Bay Buccaneers und die Carolina Panthers waren dabei. Nicht unwahrscheinlich also, dass jene Teams dann auch in Deutschland spielen.

In jedem Fall dürfte das jährliche Spektakel die NFL im hiesigen Markt auf ein ganz neues Level heben - und auch der Nachwuchs könnte profitieren. Viel mehr Kinder und Jugendliche sollen in die Vereine gebracht werden, um möglicherweise eines Tages in die Fußstapfen von Vollmer, Johnson und Co. zu treten. „American Football muss in Deutschland ankommen“, sagte Alexander Steinforth, neuer General Manager Deutschland, der ARD-Sportschau. Die NFL wolle sich bemühen, „dass mehr Jugendliche Football spielen und sich erst eine ganze Stadt, dann eine Region und später das ganze Land für den Sport begeistern können.“ Der nächste Schritt auf dem Weg ist getan.