Wegen einer umstrittenen Formulierung über Annalena Baerbock wird einem Tagesspiegel-Redakteur Sexismus vorgeworfen. Christoph von Marschall ist diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion. Er hatte in einem Interview im ZDF-Morgenmagazin über die Außenministerin Annalena Baerbock gesagt: „Man sieht eindeutig, dass sich diese junge Dame, die unsere Außenministerin ist, in der Situation nicht besonders wohl fühlt“. Tagesspiegel-Mann von Marschall beschrieb damit das Auftreten von Baerbock bei ihrem Besuch in der Ukraine. Unter dem Hashtag „diesejungedame“ wird von Marschall heftig kritisiert. So teilt der SPD-Mann Philip Le Butt mit: „Es ist einfach unfassbar wie über Baerbock gesprochen wird. Diese Leute haben keinen Scham ihren Sexismus offen zu zeigen.“

Britta Haßelmann, Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, schrieb bei Twitter dazu: „Annalena Baerbock ist Außenministerin dieses Landes. Sie zeigt Haltung, Mut u.klaren Kompass. Ich habe es satt, dass irgendwelche Typen meinen, mit #diesejungedame Haltungsnoten an Frauen in Führungspositionen verteilen zu können. Das haben so viele Frauen zu oft erlebt. Es reicht!“ Der Autor Lothar Birkner zieht einen historischen Vergleich: „Frau Baerbock ist ungefähr so alt wie John F. Kennedy als er gewählt wurde. Sein Alter wurde manchmal kritisch hinterfragt. Aber ich frage mich, ob damals ein deutscher Journalist so unverschämt war, vom Präsidenten der USA als diesen jungen Mann zu titulieren.“

Hannah Neumann, Europa-Abgeordnete der Grünen, schreibt unter dem Hashtag „#diesejungedame“: „Wenn wir Frauen in der Sicherheitspolitik nicht in die Schubladen alter Herren passen, sind vielleicht deren Schubladen ein Problem. Weil wir sind real und wir gehen auch nicht mehr weg. So better fix your mindset.“ Für die Journalistin Eva Horn ist der Vorgang „ein Beispiel von entlarvender Misogynie in unserer Gesellschaft, in all der Selbstverständlichkeit mit der dieser Christoph das äußert.“ Und die Grünen-Politikerin Sanne Kurz schreibt: „Leider unfassbar. Weiß dieser Christoph Malcolm Johannes Freiherr Marschall von Bieberstein (*1959), was er da wie einordnet? Ist das bei Euch öfter so, @Tagesspiegel Redaktion?“

Morgenmagazin-Moderatorin Dunja Hayali wird ebenfalls kritisiert, weil sie die umstrittene Aussage während des Interviews unkommentiert ließ. Sie teilt dazu mit: „In der Presseschau laden wir Kolleg*innen ein, um ihre Kommentierung zu hören. Anders als bei Politiker*innen/ Expert*innen widersprechen wir hier idR nicht. Hätt ich heute tun können/evt müssen, hab mich aber für Variante: ich kläre das verbal hinterher mit Marschall entschieden.“ Zudem veröffentlichte Dunja Hayali eine Textnachricht, die von Christoph von Marschall stammen soll. Darin heißt es, dass die Formulierung „junge Dame“ nicht despektierlich gemeint sei. Er habe habe lediglich Baerbocks Unwohlsein in der Situation beschreiben wollen: „Es tut mir leid, wenn meine Formulierung Anlass für Missverständnisse gegeben hat. Ich werde mir das zu Herzen nehmen.“