Berlin - Allesdichtmachen sorgt weiter für Aufsehen. In den den sozialen Netzwerken beschimpfen sich Befürworter und Gegner der Aktion um Tatort-Star Jan Josef Liefers. Mehrere der Schauspieler, die in den kurzen Videos Kritik an der Corona-Gesellschaft und den Maßnahmen der Regierung äußerten, haben ihre Videos mittlerweile entfernt. Dietrich Brüggemann, der bei einigen der Kurzfilme Regie führte und an der Entwicklung beteiligt war, steht weiter hinter der Aktion. Und hat sich in einem emotionalen und wütenden Statement direkt an seine Kritiker gewendet. 

So schreibt Brüggemann: „Es hat eingeschlagen. An alle, die jetzt von ‚Verhöhnung‘ schwurbeln: Ich schwurble jetzt auch mal. Ihr verhöhnt die Opfer. Ihr trampelt auf denen herum, die jetzt selbstmordgefährdet sind. Ihr spuckt auf all die, die ihre Existenz verloren haben.“ Die Menschen, die ihn und seine Kollegen nun angingen, seien „zynisch und menschenverachtend“. Wenig später heißt es in dem wütenden Tweet: „Ihr seid ein Teil des Schlimmsten, was die Menschheit hervorgebracht hat: Ihr seid ein Lynchmob. Ganz einfach.“

„Wenn Kritik an Corona-Politik rechts ist, dann ist meine linke Hand auch rechts“

Zu den Vorwürfen, man bediene rechte Narrative, schreibt Brüggemann, er könne zwar „die üblichen Distanzierungsfloskeln“ von mir geben, schlafe aber vorher vor Langeweile ein. „Nazis sind Nazis und Selbstverständlichkeiten sind selbstverständlich. Und was auch selbstverständlich sein sollte: Wenn Kritik an Corona-Politik ‚rechts’ ist, dann ist meine linke Hand auch rechts.“  Natürlich habe er „Respekt vor allen Ärzten und Pflegern“. Er habe aber „auch Respekt vor all denen im Lande, die im Eimer sind und nicht mehr weiterwissen“.

Er verstehe nicht, „warum unsere ganze Gesellschaft in einer Art Kriegszustand sein muss, in der die gesamte Zivilgesellschaft strammzustehen hat und nichts anderes mehr wichtig ist als der Kampf gegen den einen, maximalen Feind“. Wer frage, ob „dieser Feind wirklich so maximal ist und ob man den vielleicht auch mit anderen, zivilen Mitteln bekämpfen könnte“, der sei „ein Leugner und Volksfeind und muß an die Laterne gehängt werden“.

„Ihr merkt gar nicht, was für Reflexen ihr hier nachgebt“

Brüggemann schreibt weiter: „Ihr merkt gar nicht, was für Reflexen ihr hier nachgebt, aber das ist Teil des Problems. An einer Medienelite, die den immer härteren Lockdown fordert und jeden Kritiker mit Verweis auf volle Intensivstationen zum Abschuss freigibt, gibt es jede Menge zu kritisieren“.

Keines der Videos handelt nach Aussage des Regisseurs „von der Pandemie. Aber sie ziehen das hohle Pathos durch den Kakao, mit dem wir uns seit einem Jahr konfrontiert sehen. Sie kritisieren die Gnadenlosigkeit, mit der alles, das jetzt den Bach heruntergeht, als zweitrangig abgetan wird“.

Zudem würden die Geschichten hinterfragt, „die eine Gesellschaft sich selbst erzählt. Und wenn diese Gesellschaft (oder die 1 Prozent, die auf Twitter sind) dann derart überschäumend reagiert, dann war das Ganze offenbar notwendig. Ende.“

Präsident der Deutschen Filmakademie lehnt Allesdichtmachen ab

Der Präsident der Deutschen Filmakademie, der Schauspieler Ulrich Matthes, lehnt die Videoaktion unterdessen ab. Er unterstelle zwar eine gute Absicht. „Diese gute Absicht ist nur ordentlich schiefgegangen“, sagte Matthes. Er habe sich sehr gewundert über die Unterstellung in den meisten der Videos, dass es keinen Diskurs darüber gebe, ob die Maßnahmen in der Pandemie berechtigt seien.

„Dieser Diskurs wird seit einem Jahr medial geführt. Der wird im Bundestag geführt, den führen die Stammtische, den führen wir permanent alle“, sagte Matthes. „Und die Kolleginnen und Kollegen beklagen mittels dieser vermeintlichen Satire, dass dieser Diskurs nicht stattfände und geben damit – und das ist meine Hauptkritik – indirekt Schützenhilfe für die Querdenkerszene und die AfD.“