Der ehemalige Präsident Russlands Dmitri Medwedew, welcher über viele Jahre sowohl in Russland als auch im Westen als Vorzeigeliberaler und Hoffnungsträger einer politischen Modernisierung Russlands galt, beschuldigte in seinem aktuellen Telegram-Post vom 5. April 2022 nach dem Massaker von Butscha die ukrainischen Streitkräfte der Kriegsverbrechen in den Kiewer Vorstädten.

Er wiederholte die Forderung nach einer grundlegenden Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine und postulierte die Notwendigkeit – als das erklärte Ziel Russlands –, „das blutgetränkte vor falschen Mythen überquellende Bewusstsein“ eines wesentlichen Teils der ukrainischen Bevölkerung zu ändern.

400 Menschen sollen vom russischen Militär in Butscha getötet worden sein

Dieser Schritt sei um des künftiger ukrainischer Generationen Friedens willen unumgänglich. Denn ausschließlich auf diese Weise bestehe die Chance, endlich „ein weltoffenes Eurasien“ – von Lissabon bis Wladiwostok – aufzubauen, so Medwedew.

Laut Medienberichten und Augenzeugen sollen im gesamten Gebiet nördlich von Kiew bisher die sterblichen Überreste von mehr als 400 Personen – vorwiegend Zivilisten, davon allein über 300 in Butscha – aufgefunden worden sein. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es sich um Kriegsverbrechen handelt, die vom russischen Militär verübt worden sind, und dass die in Butscha aufgefundenen Menschen gezielt getötete Zivilisten waren. Zahlreiche Opfer sind an den Händen gefesselt und offenbar aus kurzer Distanz erschossen worden. Kremlnahe Experten und Politiker weisen jede Schuld von sich und beschuldigen die Ukrainer der Kriegsverbrechen.