BerlinEin 31-jähriger Vater steht im dringenden Verdacht, in Treptow seine dreijährige Tochter erstochen zu haben. Offenbar konnte er es nicht verkraften, dass sich seine Frau von ihm trennen wollte. Nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft erließ ein Richter gegen den Mann am Donnerstagnachmittag Haftbefehl wegen Mordes aus niederen Beweggründen. Über die Motive und den Tathergang wollte die Sprecherin auch am Freitag noch keine Angaben machen.

Am späten Mittwochnachmittag – Vater und Tochter waren allein zu Hause – rief eine Nachbarin die Polizei zu einem Mehrfamilienhaus in der Köpenicker Landstraße. Sie hatte Krach und Schreie aus der Wohnung gehört. Als die Polizisten in die Wohnung eindrangen, fanden sie die kleine Alina mit schweren Schnitt- und Stichverletzungen, unter anderem am Hals. Der Mann war da schon aus der Wohnung gerannt.

Kurz nach dem Leichenfund stand er vor der Wache der Bundespolizeidirektion an der Schnellerstraße. Dort soll er einen stark verwirrten Eindruck gemacht haben. „Aufgrund seiner Äußerungen ergab sich der dringende Tatverdacht eines Gewaltverbrechens, sodass er festgenommen wurde“, sagte ein Polizeisprecher. Die Mutter des Kindes erschien nach der Tat vor Ort. Sie erlitt einen Zusammenbruch und musste mit einem Schock behandelt werden.

Anwohner legten am Morgen nach der Tat vor dem Wohnhaus an der Köpenicker Landstraße Blumen ab.
Foto: Andreas Kopietz

Trauernde Anwohner legten am Donnerstagvormittag Blumen vor dem Haus ab, nachdem sie von der grausamen Tat gehört hatten. Nachbarn erzählten, dass es in der Wohnung immer wieder zu Streit und Ärger gekommen sei. Grund für die Spannungen sei der Sohn der Wohnungsmieterin gewesen. Er sei irgendwann zu seiner Mutter gezogen, weil es Probleme in seiner Beziehung gegeben haben soll. „Er hat seine Frau häufig geschlagen“, berichtete eine Nachbarin, die anonym bleiben möchte. 

Die 8. Mordkommission des Landeskriminalamtes übernahm die Ermittlungen. Kriminaltechniker sicherten bis tief in die Nacht hinein Beweismittel. Polizisten suchten die Umgebung nach der Tatwaffe ab, die der Vater weggeworfen haben soll.

Die Nachbarin, die die Polizei gerufen hatte, informierte auch die Mutter des 31-Jährigen, die zu dieser Zeit noch in Spandau arbeitete, darüber, dass etwas Furchtbares in der Wohnung passiert sei. Als die Oma des Mädchens am Tatort eintraf, versuchten Rettungskräfte und ein Notarzt der Feuerwehr noch, das leblose Kind zu reanimieren. Für die Dreijährige kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie soll verblutet sein. Einen genauen Aufschluss über die Todesursache soll die Obduktion geben, sagte ein Polizeisprecher.

Die Mitglieder der aus Polen stammenden Familie hatten nach Auskunft der Nachbarn wechselnd in der Wohnung gelebt: Erst die Oma, dann kam der Sohn dazu, schließlich die Mutter und das Kind. Zwischendurch sollen alle in Schwedt an der Oder gewohnt haben, bevor sie vor vier Wochen wieder in Berlin einzogen.

Immer wieder soll es Krach zwischen dem Mann und der Frau gegeben haben. Sie soll zwischenzeitlich wieder ausgezogen sein. „Er hat seine Frau sogar auf der Straße geschlagen“, berichtete eine Nachbarin. „Deshalb habe ich den Mann auch nicht gegrüßt. Es gab immer Krach.“ Die Polizei sei des Öfteren wegen ihm da gewesen, berichtet eine andere Nachbarin. Und noch jemand aus dem Haus glaubt zu wissen, dass der Mann bei der Tat auch das Telefonkabel herausgerissen habe, um sich zu erhängen, es sich dann aber wohl anders überlegt habe. „Das alles muss eine Kurzschlussreaktion gewesen sein“, sagt eine Nachbarin.

Die Polizei hat die Wohnung versiegelt. Die Großmutter des toten Kindes kam bei einer Freundin unter.