DresdenNach dem tödlichen Messerangriff eines mutmaßlichen Islamisten auf Touristen in Dresden steigt der Druck auf die sächsischen Behörden. Vertreter von Verfassungsschutz und Polizei teilten am Donnerstag mit, der tatverdächtige Syrer sei auch am Tag des Anschlags von Beamten des Verfassungsschutzes observiert worden.

Man habe sich gefragt, ob es einen Fehler im System gab und ob die Tat habe verhindert werden können, sagte der Chef des sächsischen Landeskriminalamtes, Petric Kleine, in Dresden. Der Maßnahmenkatalog habe eine enge Betreuung, nicht aber eine enge Bewachung vorgesehen. Die Tat sei nicht auszuschließen gewesen. Aus Sicht des LKA seien alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden. „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit“, sagte auch Sachsens Verfassungsschutz-Chef Dirk-Martin Christian. Die Observation sei nicht auf Gefahrenabwehr angelegt, sondern habe das Ziel zu ermitteln, ob sich jemand im extremistischen Umfeld aufhält.

Es sei sehr, sehr bitter, wenn man heute feststellen müsse, dass trotz dieser Maßnahmen die schreckliche Tat nicht verhindert werden konnte, sagte Christian. Eine Rund-um-die-Uhr Bewachung sei rechtlich möglich, aber nicht vorgesehen gewesen. Christian nannte den Täter einen extremistischen Islamisten. Das sei durch das Handeln des Beschuldigten in der Haft bestätigt worden.

Wann die Radikalisierung des jungen Mannes begann, sei unklar. Sie habe sich in Dresden fortgesetzt, sagte LKA-Chef Kleine. In der Haft hat der Tatverdächtige zwei Mal Mitarbeiter der JVA angegriffen und war mehrfach aufgefallen. Der junge Mann sei mehrmals Thema in Fallkonferenzen gewesen, sagte der Chef des Landeskriminalamtes. Die Gefahr, dass der Mann wieder Straftaten begehen könnte, schätzen Experten im Juli als hoch ein. Dementsprechend wurde ein Maßnahmenplan für die Zeit nach der Entlassung entwickelt.