Berlin (dpa/bb) – - Wegen Drogenhandels im großen Stil stehen in Berlin zwei Männer vor dem Landgericht. Ein 39-Jähriger soll laut Anklage bei illegalen Geschäften unter Nutzung des Krypto-Messengerdienstes Encrochat rund 2,5 Millionen Euro erlangt haben, ein 33-Jähriger rund 330.000 Euro. Der 39-Jährige werde sich voraussichtlich am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen äußern, hieß es zu Prozessbeginn am Dienstag. 

Dem 39-Jährigen werden 31 Taten in der Zeit von Ende März bis Mitte Juli 2020 zur Last gelegt, im Fall des 33-Jährigen geht es um 17 mutmaßliche Taten. Die beiden Männer sollen mit Marihuana, Kokain und Amphetamin teilweise im zweistelligen Kilogrammbereich gehandelt haben. Die Beweislage sei angesichts entschlüsselter Encrochat-Daten gut, hieß es am Rande der Verhandlung.

Die Kryptierungssoftware galt zunächst als nicht entschlüsselbar und war deshalb bei Kriminellen sehr beliebt. Der Polizei in Frankreich und den Niederlanden gelang es dennoch im Frühjahr 2020, die Software zu knacken. Millionen geheimer Daten wurden abgeschöpft. Dies führte zu zahlreichen Verhaftungen in ganz Europa - Encrochat stellte seinen Geschäftsbetrieb ein. 

Die beiden Angeklagten wurden Anfang Dezember 2021 festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Ein mutmaßlicher Geschäftspartner des 39-Jährigen wurde kürzlich zu elf Jahren Haft verurteilt. Der 23-Jährige habe unter Nutzung des Krypto-Messsengerdienstes gewerbsmäßig mit verschiedenen Waffen und mit Drogen gehandelt, begründete das Landgericht Berlin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der jetzige „Encrochat“-Prozess wird am 9. Juni fortgesetzt.