Berlin - Nach einem Drogenhandel über Chatgruppen hat am Berliner Landgericht der Prozess gegen einen 35-Jährigen begonnen. Dem Mann werden insgesamt rund 330 Taten zur Last gelegt. Über einen Messengerdienst soll er unter anderem mit Kokain, Amphetamin, MDMA und Ecstasy sowie sowie dem verschreibungspflichtigen Arzneimittel Ketamin gehandelt haben.

Der 35-Jährige gestand die Vorwürfe weitestgehend. Er sei nach einer Firmenpleite in finanzielle Schwierigkeiten geraten und habe durch einen Handel mit Betäubungsmitteln schnell an Geld kommen wollen, erklärte der Mann zu Beginn der Verhandlung am Montag.

„Drogenlieferservice“ erzielte Umsatz von mindestens 70.600 Euro

Der 35-Jährige hatte laut Anklage ab Herbst 2019 einen „Drogenlieferservice“ aufgebaut. Zunächst habe er über einen Messengerdienst in verschiedenen Gruppen Betäubungs- und Arzneimittel angeboten und mit wechselnden Fahrzeugen im Berliner und Potsdamer Stadtgebiet ausgeliefert. Bei rund 260 Taten habe er einen Umsatz von mindestens 70.600 Euro erzielt, so die Anklage.

Ab April 2020 soll der 35-Jährige zudem anderen Drogenhändlern ermöglicht haben, über eine von ihm ins Leben gerufene und moderierte Chatgruppe Betäubungsmittel anzubieten. Die Gruppe habe im März 2021 über knapp 10.000 Mitglieder verfügt, heißt es in der Anklage. Von Händlern, die er zugelassen hatte, habe er eine monatliche Gebühr von 200 Euro kassiert. So habe er in 72 Fällen zusammen mindestens 31 000 Euro eingenommen.

Vom damaligen Geschäftspartner hinters Licht geführt

Der Angeklagte erklärte weiter, er sei durch einen Mann, den er für einen Freund gehalten habe, in Finanznot geraten. Sie hätten gemeinsam eine Firma im IT-Bereich gegründet. Sein damaliger Geschäftspartner habe ihn jedoch hinters Licht geführt. Angesichts hoher Schulden habe er mit dem Drogenhandel begonnen. Die Anzahl von Mitgliedern in der von ihm betriebenen Chatgruppe sei allerdings deutlich geringer gewesen als von der Staatsanwaltschaft angenommen. Der Prozess gegen den seit sechs Monaten inhaftierten Mann wird am 20. September fortgesetzt.