Hubertus Andrä, der Polizeipräsident von München. 
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MünchenEin handfester Skandal erschüttert das Polizeipräsidium in der bayerischen Hauptstadt München. Insgesamt 21 Polizisten werden „verschiedene Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Antidopinggesetz sowie andere Straftaten wie die Verfolgung Unschuldiger und Strafvereitelung im Amt“ vorgeworfen. Das teilte die Staatsanwaltschaft München Eins am Mittwoch mit.

18 Staatsanwälte und mehr als 90 LKA-Ermittler gingen seit dem Vormittag mit einer Razzia gegen die Verdächtigen vor. Bei der Razzia wurden 24 Wohnungen und Dienststellen in München und den Landkreisen München, Dachau, Wolfratshausen, Ebersberg und Fürstenfeldbruck durchsucht.

Bei den Durchsuchungen am Mittwoch wurden die bayerischen Ermittler von Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen unterstützt. „Die eingesetzten Beamten haben mehrheitlich erst kurz vor Beginn des Einsatzes von dessen Ziel und den betroffenen Objekten erfahren“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ermittlungen gegen 21 Polizisten und 17 weitere Beschuldigte

Insgesamt werde gegen 21 Polizisten und 17 weitere Beschuldigte ermittelt. Sie stehen nicht nur im Verdacht, Drogen und illegale Dopingmittel besessen zu haben. Nach Informationen lokaler Medien sollen sie aus der Asservatenkammer Kokain abgezweigt und Strafverfolgung verhindert haben. Besonders gravierend sei der Vorwurf der Verfolgung Unschuldiger, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Anne Leiding, mit.

In einem Fall lägen laut Leiding „Anhaltspunkte zugrunde, dass Widerstandshandlungen zweier Personen gegen Polizeibeamte behauptet wurden, die tatsächlich nicht stattgefunden haben“. Gegen die unschuldig Verfolgten wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, die im September 2017 gegen Geldauflagen eingestellt wurden.

Auslöser der Razzia waren laut Staatsanwaltschaft im Februar bekannt gewordene Ermittlungen gegen zwei Polizisten wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Diese Ermittlungen führten zu dem Verdacht gegen weitere Polizisten.

20 der unter Verdacht stehenden Polizisten gehören zum Polizeipräsidium München. Ein weiterer Verdächtiger war dort früher im Einsatz und zählt inzwischen zur bayerischen Bereitschaftspolizei.

Der Münchener Polizeipräsident Hubertus Andrä forderte harte Konsequenzen. Für ihn sei „das hier im Raum stehende Verhalten der betroffenen Polizeibeamten absolut inakzeptabel und muss, wenn sich die Vorwürfe wirklich bestätigen, mit aller gesetzlichen Härte bestraft werden“, sagte er am Mittwoch.