BerlinDer Charité-Virologe Christian Drosten hat sich in seinem neuen NDR-Podcast für einen harten Lockdown ab dem 24. Dezember eingesetzt. Besser sei es, noch in diesem Jahr zu handeln, „als dann Ende Januar und im gesamten Februar in einen richtigen Lockdown zu gehen, der die Wirtschaft massiv schädigt“, sagte Drosten. Er habe deshalb auch die Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina unterschrieben.

In dem Papier der Leopoldina wird empfohlen, die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown zu nutzen. Vom 24. Dezember bis mindestens 10. Januar sollte „in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen“. Bereits ab 14. Dezember müssten Kontakte auf ein „absolutes Mindestmaß“ reduziert werden.

Der Virologe bezeichnete das Papier als „deutliche und letzte Warnung der Wissenschaft“. Entscheide sich die Politik anders, habe sie sich nicht mehr für die Wissenschaft entschieden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass in den Weihnachtsferien die Infektionszahlen steigen, sei sehr groß, so Drosten. Deshalb sei es wichtig, die Ferienzeit für einen harten Lockdown bis zum 10. Januar zu nutzen. Während beim ersten Lockdown im Frühjahr die Kontakte in der Bevölkerung um 63 Prozent zurückgefahren wurden, seien es im aktuellen Lockdown nur 43 Prozent, sagte Drosten „Das ist zu wenig, um die Infektionszahlen dauerhaft niedrig zu halten“. Ziel sollte eine Kontakt-Reduzierung um 75 Prozent sein.

Wer über Weihnachten ältere Menschen besuchen möchte, sollte sich laut dem Charité-Virologen am besten vorher zehn Tage in Quarantäne begeben. Ideal sei es, so Drosten, am Ende der Quarantäne und unmittelbar vor einem Weihnachtstreffen einen Antigen-Schnelltest zu machen. Zu beachten sei allerdings, dass ein Schnelltest-Ergebnis nur für einen Tag Gültigkeit hat. „Am besten wäre es also, man testet sich bei einem mehrtägigen Familientreffen jeden Morgen“, so Drosten.