Berlin - Der Berliner Virologe Christian Drosten hat auf Twitter auf die Kritik mehrerer Politiker reagiert, es habe keine oder eine zu späte Warnung der Wissenschaftler vor der vierten Corona-Welle gegeben.

„Die Dynamik und Geschwindigkeit, die haben viele nicht gesehen, ich auch nicht“, hatte beispielsweise Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kürzlich gesagt. Auch renommierte Wissenschaftler hätten eine Entwicklung, wie sie sich aktuell präsentiert, nicht vorausgesehen, so Söder. Dem widerspricht Christian Drosten nun.

„Ich lese derzeit öfter, die Wissenschaft habe nicht rechtzeitig die Themen Winterwelle, Impfquote und Boosterimpfung adressiert“, schreibt Drosten auf Twitter und verweist dazu auf ein Dokument des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 7. Juli 2021. „Müsste eigentlich jeder Entscheider kennen“, so Drosten.

In dem von Drosten erwähnten RKI-Bericht geht es um die Frage, welche Impfquote zur Kontrolle der Pandemie notwendig sei. Demnach müssen mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der über 60-Jährigen vollständig geimpft sein. Am 22. Juli veröffentlichte das RKI dann einen Leitfaden mit dem Titel „Vorbereitung auf den Herbst/Winter 2021/22“. Darin heißt es: „Aufgrund verschiedener Faktoren ist für SARS-CoV-2 in Deutschland ein Anstieg der Infektionszahlen im Herbst und Winter 2021/22 sowie eine fortgesetzte globale Zirkulation des Virus zu erwarten“. Und weiter: „Die Bevölkerung sollte frühzeitig darüber informiert werden, dass es im Winter wieder zu einer starken Belastung des Gesundheitswesens und möglicherweise regionalen / lokalen Überlastung (wie ECMO-Kapazität) kommen kann“.