Druck auf Telegram: Messenger sperrt russische und prorussische Kanäle

Telegram gehe zu wenig gegen Hass und Hetze auf der Plattform vor, heißt es immer wieder. Eine Anordnung von Apple hat nun weitreichende Folgen.

Telegram zählt zu den erfolgreichsten Messenger-Diensten weltweit – und steht wegen der Verbreitung problematischer Inhalte immer wieder in der Kritik.
Telegram zählt zu den erfolgreichsten Messenger-Diensten weltweit – und steht wegen der Verbreitung problematischer Inhalte immer wieder in der Kritik.IMAGO/MiS

Der bisher als weitestgehend frei von Regulationen geltende Messengerdienst Telegram hat offenbar mehrere russische und belarussische Kanäle gesperrt. Einem Bericht des Standard zufolge teilte Gründer und Inhaber Pawel Durov am Samstag mit, dass man sich „auf Anfrage von Apple“ zu dem Schritt durchgerungen habe. Die Sperre betreffe demnach Telegram-Kanäle „auf dem iPhone und iPad mit insgesamt 80.000 Abonnenten“. An Gruppen mit etwa 50.000 weiteren Mitgliedern seien Warnungen verschickt worden.

Grund für das ungewöhnlich harte Durchgreifen des Unternehmens sei vor allem Druck seitens Apple gewesen. Demnach seien in den nun gesperrten prorussischen Kanälen wiederholt Inhalte geteilt worden, die gegen die Richtlinien des US-Konzerns verstoßen hätten. Telegram-CEO Durov selbst sprach beispielsweise von Aufrufen, „unbewaffnete, wehrlose Menschen ‚zu erschießen‘“. Würden „die Regeln der App-Stores“ künftig nicht eingehalten, so Durov weiter, drohe eine Sperre des Messengers auf allen Apple-Geräten.

Hetze bei Telegram: Innenministerin drohte mit Abschaltung

Es ist nicht das erste Mal, dass Telegram aufgrund besonders lascher Moderation problematischer Inhalte in Bedrängnis gerät. Nachdem sich der Messenger insbesondere während der Corona-Pandemie zu einem virtuellen Sammelbecken für Hass, Rechtsextremismus und Verschwörungsideologien entwickelt hatte – so warfen es zumindest Kritiker der Plattform immer wieder vor –, schaltete sich Anfang des Jahres auch die Bundesregierung ein.

Weil Telegram mit der Verbreitung extremistischer Inhalte deutsches Recht missachte, drohte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) im Januar sogar mit Abschaltung – und appellierte dabei auch an die „gesellschaftliche Verantwortung“ der großen IT-Konzerne aus dem Silicon Valley. „Was in den Telegram-Gruppen und Kanälen passiert, widerspricht in jeder Hinsicht den Compliance-Richtlinien von Apple und Google“, hatte Faesers Parteigenosse Boris Pistorius gemahnt.

Konzernchef Durov hingegen sieht den Messenger nach eigenen Angaben als Instrument für freie Meinungsäußerung, vor allem in Ländern, in denen diese von autoritären Regierungen gewaltsam unterdrückt wird. „Wir sind die einzige App, die so erfolgreich ist, weil sie wirklich von den Menschen geliebt wird“, sagte Durov im Frühjahr zum Erfolg seines Unternehmens. 2021 lag Telegram auf Platz fünf der am öftesten heruntergeladenen Apps weltweit.

Das Bundesinnenministerium steht nach eigenen Angaben mittlerweile in Kontakt mit der Unternehmensspitze bei Telegram, auch die Abschaltungsdrohung sei vorerst vom Tisch. Das kürzliche Einlenken bei der Beschränkung prorussischer Chaträume zeigt jedoch, dass ein Verbot der Plattform durch die App-Store-Betreiber selbst auch weiterhin eine ernst zu nehmende Bedrohung für Telegram darzustellen scheint.