Lecks in Nord-Stream-Pipelines: Regierung schließt Anschlag nicht aus

Beide Nord-Stream-Röhren sind betroffen. Laut einem Bericht gibt es Hinweise auf gezielte Anschläge. Der Kreml zeigt sich „extrem besorgt“.

Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmin
Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 in Lubmindpa/Stefan Sauer

Die Bundesregierung schließt Anschläge auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 – mit dem Motiv, Verunsicherung auf den europäischen Gasmärkten zu provozieren – nicht aus. Dies berichtet der Spiegel. Demnach werden nun mit hoher Dringlichkeitsstufe die Sicherheitskonzepte anderer Pipelines und Gasversorgungsanlagen überprüft.

Moskau hat sich indes angesichts der Lecks in den Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 „extrem besorgt“ gezeigt. Als Grund dafür könne „keine“ Option ausgeschlossen werden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag. Er war gefragt worden, ob es sich bei den Lecks um einen Sabotageakt handeln könnte.

Deutsche Spezialisten bemühen sich um Aufklärung wegen Lecks

Nach dem Druckabfall in den Nord-Stream-Gaspipelines unter der Ostsee suchen Behörden in Deutschland und Dänemark weiter nach der Ursache. Die dänische Marine und deutsche Spezialisten bemühten sich um Aufklärung, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagmorgen aus Sicherheitskreisen. Bislang sei die Ursache für die Vorfälle nicht geklärt. Jedoch spreche einiges für Sabotage. Sollte es sich um einen Anschlag handeln, würde angesichts des technischen Aufwands eigentlich nur ein staatlicher Akteur infrage kommen.

Der Betreiber der Gaspipeline Nord Stream 1 hat einen Druckabfall in der deutsch-russischen Energietrasse festgestellt. Beide Röhren sind betroffen, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Einer für Netzbetreiber verpflichtenden Marktinformation zufolge ist die Kapazität der Pipeline ungeplant auf null gesunken.

Nord Stream teilte laut Bloomberg am Dienstag mit, es sei unmöglich, vorherzusagen, wann der Betrieb wieder aufgenommen werde. „Die Zerstörung, die innerhalb eines Tages an drei Leitungen des Nord-Stream-Pipelinesystems stattfand, ist beispiellos“, sagte der Betreiber am Dienstag. „Es ist jetzt unmöglich, den Zeitrahmen für die Wiederherstellung des Betriebs der Gastransportinfrastruktur abzuschätzen.“

Einem Bericht der Nachrichtenseite E24 zufolge sind auch schwedische und dänische Pipeline-Abschnitte betroffen. „Ja, wir haben Informationen erhalten, dass es an zwei Stellen leckt, sowohl im schwedischen als auch im dänischen Wirtschaftsgebiet“, sagte Fredrik Strömbeck von der schwedischen Seeschifffahrtsverwaltung.

In der Nacht auf Montag war zuvor bereits in der Schwesterpipeline Nord Stream 2 ein solcher Druckabfall festgestellt worden. Im Laufe des Montags wurde hierfür von den zuständigen Marinebehörden ein Leck südöstlich der dänischen Insel Bornholm als wahrscheinliche Ursache identifiziert.

Bericht: Gezielter Anschlag auf Nord-Stream-Pipelines möglich

Laut Tagesspiegel könnten die Nord-Stream-Pipelines durch gezielte Anschläge beschädigt worden sein. Die Zeitung zitiert eine „eingeweihte Person“, die in die Bewertung durch die Bundesregierung und die Bundesbehörden eingebunden sei. „Alles spricht gegen einen Zufall“, sagte der Insider dem Bericht zufolge. „Unsere Fantasie gibt kein Szenario mehr her, das kein gezielter Anschlag ist.“ Wie es heißt, sei ein solcher Anschlag oder Sabotageakt kein trivialer Vorgang, sondern müsse beispielsweise von Spezialkräften oder mithilfe eines U-Boots ausgeführt werden.

Während die Pipeline Nord Stream 2 nach ihrer Fertigstellung nie in Betrieb genommen, sondern nur einmalig mit Gas befüllt wurde, floss durch Nord Stream 1 bis Anfang September Gas nach Deutschland. Nachdem der russische Staatskonzern Gazprom seine Lieferungen durch die Röhre bereits zuvor reduziert hatte, stoppte er diese mit dem Verweis auf einen Ölaustritt in der Kompressorstation Portowaja komplett.