„Ein Schauspiel“: US-Regierung hat keine Hinweise auf „schmutzige Bombe“

Laut den USA planen weder Russland noch die Ukraine den Einsatz einer nuklear verseuchten Bombe. Oder war es doch nur ein Ablenkungsmanöver der Russen? 

John Kirby, Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, äußerte sich zum Einsatz russischer und ukrainischer Atomwaffen (Archivbild). 
John Kirby, Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, äußerte sich zum Einsatz russischer und ukrainischer Atomwaffen (Archivbild). dpa/Michael Brochstein

Die US-Regierung sieht bisher keine Hinweise auf einen möglichen russischen Einsatz einer nuklear verseuchten Bombe. „Wir sehen nach wie vor keine Vorbereitungen der russischen Seite für den Einsatz von Atomwaffen und zu diesem Zeitpunkt auch nichts in Bezug auf den möglichen Einsatz einer „schmutzigen Bombe““, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, am Montag. Auch andere westliche Länder bezeichneten den Vorwurf als haltlos.

„Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass die Russen gelegentlich andere für Dinge verantwortlich gemacht haben, die sie vorhatten zu tun“, warnte Kirby. Es gebe derzeit aber keine Hinweise, dass dies hier der Fall ist. „Aber es ist ein Schauspiel, das wir schon gesehen haben.“

Russland: Ukraine „in der abschließenden Phase“ der Bomben-Herstellung

Weiter sagte Kirby, dass an der russischen Behauptung, die Ukraine plane die Zündung einer schmutzigen Bombe und wolle diese dann Russland anlasten, absolut nichts dran sei. „Es ist einfach nicht wahr. Wir wissen, dass es nicht wahr ist“, sagte Kirby. Russland erneuerte derweil am Montag seinen Vorwurf. Die Ukraine sei „in der abschließenden Phase“ der Herstellung, erklärte Generalleutnant Igor Kirillow, der in der russischen Armee für radioaktive, biologische und chemische Substanzen zuständig ist.

Moskau setzte auch seine Telefon-Kampagne fort: Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow habe während eines Gesprächs mit seinem US-Amtskollegen Mark Milley „die Situation bezüglich des möglichen Einsatzes einer ‚schmutzigen Bombe‘ durch die Ukraine“ diskutiert, hieß es in einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums.

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte nach Angaben seines Ministeriums zuvor unter anderem in Telefongesprächen mit den Verteidigungsministern der europäischen Atommächte Großbritannien und Frankreich behauptet, Kiew plane zur Diskreditierung Moskaus, eine radioaktive Bombe zu zünden. Die westlichen Atommächte Frankreich, Großbritannien und die USA wiesen die Behauptung aus Moskau ebenso zurück wie die Ukraine.

Ukraine meldet weitere Rückeroberungen im Nordosten des Landes

Das ukrainische Militär gab am Montag an, russische Einheiten aus mehreren Dörfern im Nordosten des Landes vertrieben zu haben. „Dank erfolgreicher Aktionen haben unsere Soldaten den Feind aus den Ortschaften Karmasynikwa, Mjasoschariwka und Newske in der Region Luhansk sowie Nowosadowe in der Donezk-Region gedrängt“, hieß es in einer Erklärung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf vor dem Hintergrund anhaltender russischer Drohnenangriffe auf Städte in der Ukraine Israel vor, eine „Allianz“ zwischen Russland und dem Iran ermöglicht zu haben. Ein solches Bündnis hätte ohne die neutrale Haltung der israelischen Regierung zum russischen Angriffskrieg gegen sein Land „schlicht nicht existiert“, sagte Selenskyj.

Unter Berufung auf den ukrainischen Geheimdienst sprach Selenskyj von „rund 2000“ Drohnen vom Typ Schahed, die Moskau von Teheran bestellt habe. Zunächst blieb unklar, ob die genannte Zahl sich auf neue oder vergangene Käufe bezog.

Der Iran dementierte erneut, Drohnen an Russland zu verkaufen. „Wir haben Russland nicht mit irgendwelchen Waffen oder Drohnen für den Krieg gegen die Ukraine beliefert“, sagte Außenminister Hossein Amir-Abdollahian in einem von örtlichen Medien veröffentlichten Video.