Die Fans kehren zurück – zumindest zum Teil: Nach einem Beschluss der Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien dürfen bundesweit bei überregionalen Großveranstaltungen wieder mehr Zuschauer zugelassen werden – im Freien bis zu 10.000 bei einer Auslastung von maximal 50 Prozent, in Innenräumen bis zu 4000 bei einer Auslastung von maximal 30 Prozent. Dieser Beschluss von Mittwoch, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist für die Bundesländer bindend, muss aber noch in die jeweiligen Corona-Verordnungen übernommen werden.

Fußball-Bundesligist Hertha BSC kann für sein Heimspiel gegen den VfL Bochum am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) noch nicht mit mehr Zuschauern und Zuschauerinnen als in den vergangenen Wochen planen. Der Berliner Senat wird sich nach Angaben der Gesundheitsverwaltung voraussichtlich erst am kommenden Dienstag mit der Thematik beschäftigen. Beim Heimspiel zuletzt von Hertha gegen den FC Bayern München hatten 3000 Fans ins Stadion gedurft.

Herthas Geschäftsführer Sport, Fredi Bobic, hatte sich am Dienstag für eine einheitliche Lösung ausgesprochen. „Wenn jedes Bundesland so sein eigenes Ding macht, ist es Wahnsinn“, sagte er. Die zugelassenen Kapazitäten in den Stadien sollten auf prozentualer Basis geregelt werden.

In Nordrhein-Westfallen sollen die neuen Regeln nach Angaben aus Regierungskreisen noch am Mittwoch umgesetzt werden. Die drei Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, 1. FC Köln und Arminia Bielefeld, die gegen die vorherige NRW-Verordnung mit der Beschränkung auf 750 Zuschauer juristisch vorgegangen waren, dürften damit in ihren Heimspielen am Wochenende wieder deutlich mehr Fans empfangen.

Regeln in Bundesländern teils noch unterschiedlich

„Ich würde mich unglaublich freuen, wenn Zuschauer wieder zugelassen sind“, sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes. Bayer spielt am Sonntag in Dortmund. „Das motiviert die Spieler unglaublich. Und das ist ein Zeichen, in welche Richtung es gehen kann, auch in den nächsten Monaten. Wir haben so schöne Stadien in Deutschland, da gehören mehr Zuschauer rein als nur ein paar hundert“, fügte Rolfes an.

Bund und Länder hatten in der vergangenen Corona-Konferenz am 24. Januar beschlossen, dass bis zum 9. Februar einheitliche Regeln vereinbart werden sollen. In der Folge wurde allerdings beispielsweise in Bayern bereits die Zulassung von bis zu 10.000 Menschen bei maximal 25 Prozent der Gesamtkapazität erlaubt. Auch in weiteren Bundesländern unterscheiden sich die Regeln noch teils deutlich.

Auch Fußball-Bundesligist RB Leipzig war in Sachsen vor Gericht gezogen, die Landesregierung hatte dann aber von sich aus die Zuschauerbeschränkung von zuvor 1000 Fans angehoben. Kurz vor dem Beschluss der Staats- und Senatskanzleien hatte sich am Mittwoch auch das Bundesinnenministerium für eine einheitliche Regelung ausgesprochen „die die anhaltenden Erfordernisse der Pandemie angemessen berücksichtigt“.

Bayern will „geringfügig“ von Regelungen abweichen

In dem Beschluss sind weiterhin strikte Corona-Vorgaben enthalten. „Für überregionale Großveranstaltungen gilt die Pflicht zum Tragen mindestens einer medizinischen Maske“, heißt es. „Zusätzlich werden auf Grundlage der jeweiligen Landesregelungen Vorgaben für Schutz- und Hygienekonzepte, Einlassmanagement und Abstandsregelungen und ggf. weitere Schutzmaßnahmen getroffen.“ Zulässig ist die Ausrichtung überregionaler Großveranstaltungen nur mit Vorgaben der 2G-Regel oder 2G-Plus-Regel.

Laut Protokollerklärung kündigten die Bundesländer Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt an, „im Rahmen ihrer Regelungen allerdings geringfügig“ abweichen zu wollen. Mecklenburg-Vorpommern lies anmerken, es sei der „Auffassung, dass der vorgesehene Rahmen in der gegenwärtigen Phase der Pandemie aktuell nicht ausgeschöpft werden sollte“.