ZwickauMehrere hundert Menschen haben am Sonnabend in Zwickau gegen die drohende Schließung des einzigen ostdeutschen Haribo-Werks protestiert. Belegschaft, Gewerkschaften und Politik appellierten an die Geschäftsführung, die Entscheidung noch einmal zu überdenken und den Standort zu erhalten. „Es kann nicht sein, dass man jahrelang das Unternehmen in Wilkau-Haßlau auf Verschleiß gefahren hat, um uns heute zu erklären, dass die Investitionssumme zu groß wäre“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei der Kundgebung, zu der die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen hatte.

Beschäftigte hielten unter anderem Schilder mit ihren Namen und teilweise mehr als 30 Jahren Betriebszugehörigkeit hoch oder trugen Mund-Nasen-Masken mit der Aufschrift „Haribo muss im Osten bleiben“.

Nach Angaben der Zwickauer Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linke) hat Haribo über die Jahre Millionengewinne mit dem kleinsten seiner fünf deutschen Werke erwirtschaftet. Im Zuge eines Gewinnabführungsvertrags gingen demnach beispielsweise 2018 rund 2,6 Millionen Euro an den Stammsitz in Grafschaft (Landkreis Ahrweiler), wie aus dem Bundesanzeiger hervorgeht.

Zu Beginn der 1990er-Jahre seien zudem mehr als eine halbe Million Euro an öffentlichen Geldern geflossen. „Gewinne abgeschöpft, Fördermittel kassiert und dann werden die Kolleginnen und Kollegen vor die Tür gesetzt“, kritisierte Zimmermann, die zugleich auch DGB-Kreisvorsitzende ist. Indessen fordert die Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag, zu überprüfen, ob und inwiefern Fördermittel zurückgefordert werden könnten.

Entscheidung steht laut Konzern fest

Der Süßwarenhersteller will trotz der Proteste an seinen Plänen festhalten. „Unsere Entscheidung, den Standort in Wilkau-Haßlau zum Jahresende zu schließen, steht“, sagte eine Sprecherin auf dpa-Nachfrage. Das Werk erfülle demnach nicht mehr die Anforderungen an eine wirtschaftliche und effiziente Produktionsstruktur. Dies fange bereits bei der baulichen Substanz an. „Würden wir beispielsweise neue Maschinen nach heutigen Standards installieren, würden diese schlichtweg die Traglast des Gebäudes überschreiten“, hieß es.

Laut Bürgermeister Stefan Feustel ist Haribo einer der letzten größeren Arbeitgeber in der Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern. Der Goldbären-Produzent zahlt demnach etwa ein Drittel der Gewerbesteuereinnahmen von vier Millionen Euro. Betroffen wären 150 Beschäftigte.