Berlin - Schnee und Eis haben auch zum Wochenanfang Auto- und Bahnfahrern in weiten Teilen Deutschlands das Leben schwer gemacht - und in den nächsten Tagen bleibt es eisig. In immer weniger Regionen wird es zumindest tagsüber frostfrei sein, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montag vorhersagte.

Demnach klettern die Temperaturen an diesem Dienstag nur noch südlich der Donau über die Null-Grad-Marke. Ab Donnerstag sollen die Höchstwerte dann in ganz Deutschland „im Eisfach-Bereich“ von minus 1 bis minus 9 Grad verharren, wie DWD-Meteorologe Martin Jonas ankündigte. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich also weiterhin auf rutschige Straßen gefasst machen.

Heftiger Schneesturm hatte in Teilen Deutschlands bereits am Sonntag ein Verkehrschaos verursacht. Auch am Montag war zumindest zeitweise auf etlichen Straßen kein Durchkommen. „Die Lage ist katastrophal“, sagte am frühen Morgen ein Sprecher der Polizei in Fulda. Im Schnee stecken gebliebene Lastwagen hatten etwa im Norden und Osten von Hessen mehrere Autobahnen blockiert. Besonders betroffen waren dort die A7 und die A4. In vielen Bereichen stünden die Lastwagen und Autos seit sechs Stunden im Stau, es gehe weder vorwärts noch rückwärts, sagte der Sprecher.

Auch die Pannenhelfer des ADAC gingen in den Dauereinsatz. So rückten sie allein in Niedersachsen und Bremen am Sonntag zu mehr als 800 Einsätzen aus – am Montagmorgen wurden 600 weitere Hilferufe registriert, wie der Automobilklub mitteilte. 

Derweil warnte die Deutsche Bahn: „Aufgrund von extremem Unwetter kommt es in weiten Teilen des Landes zu Verspätungen und Zugausfällen.“ Der Fernverkehr war am Montag auf mehreren Verbindungen komplett eingestellt. So fuhren beispielsweise von Berlin keine Fernzüge in Richtung Hannover und München.

Zumindest auf einigen Verbindungen sollte sich der Bahnverkehr vom Nachmittag an schrittweise normalisieren. „Tausende Mitarbeitende sind vor Ort im Einsatz. Vielerorts müssen unter widrigen Umständen und in mühevoller Handarbeit Weichen enteist und Schienen geräumt werden“, schrieb die Bahn in ihrem Presse-Blog zur aktuellen Wetterlage.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer appellierte an die Bürger im Norden und in der Mitte Deutschlands, mindestens bis Mittwoch auf Reisen zu verzichten. „Bei solchen extremen Bedingungen können selbst die beste Weichenheizung und das beste Räumfahrzeug an ihre Grenzen geraten“, sagte der CSU-Politiker.

Auch der Nahverkehr blieb mancherorts im Schnee stecken. In Leipzig und Erfurt versuchten mit Schneeschiebern versehene Straßenbahnen, die Gleise wieder befahrbar zu machen. Busse blieben vielerorts in den Depots - in Hessen etwa in Kassel und Marburg, wie die dortigen Stadtwerke mitteilten. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fiel wegen des heftigen Winterwetters vielerorts die Müllabfuhr aus. Außerdem kamen in Thüringen nach Angaben der Deutschen Post mit wenigen Ausnahmen keine Brief- und Paketzusteller.

In Jena in Thüringen blieben am Montag die Kindertagesstätten geschlossen - sie sollten auch am Dienstag noch geschlossen sein, wie es von der Stadtverwaltung hieß. Die Behörde begründete die Schließung auch damit, dass die Essenversorgung nicht gewährleistet werden könne.

Einschränkungen im Berliner S-Bahn-Verkehr

Aufgrund des Wintereinbruchs mussten auch Fahrgäste der S-Bahn Berlin damit rechnen, dass sie länger als geplant unterwegs sind. „Witterungsbedingt kann es durch Störungen an der Infrastruktur und Fahrzeugstörungen zu Verspätungen und Ausfällen kommen“, teilte das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn am Montagmorgen mit.

Einschränkungen gebe es etwa auf der Linie 2 zwischen Buch und Potsdamer Platz sowie der S3 zwischen Erkner und Warschauer Straße. Hier würden die Züge im Zehn-Minuten-Takt verkehren, hieß es am Montagvormittag. Bei der Linie 85 komme es zu vereinzelten Zugausfällen. 

Flugschnee ist Gift für die S-Bahn

Fahrzeugstörungen führten wiederum dazu, dass die Linie S8 verkürzt werden musste. Betroffen sei die Baureihe 485, bei der es Antriebsprobleme gegeben habe, hieß es bei der S-Bahn. Weil nicht genug Züge zur Verfügung standen, wurde von dieser Linie nur noch der Abschnitt Birkenwerder–Schöneweide bedient. Zwischen Schöneweide, Grünau und Zeuthen sollten die Fahrgäste die Linie S46 nutzen, hieß es.

Trotz dieser Ausfälle laufe der S-Bahn-Verkehr „ganz gut“, sagte ein Mitarbeiter gegen 9 Uhr früh. Es könnten sogar alle Verstärkerzüge gefahren werden. Die Fahrzeuge der jüngsten S-Bahn-Generation, die seit Jahresbeginn auf der S47 zwischen Spindlersfeld und Hermannstraße verkehren, würden die Winterverhältnisse bislang ohne Störungen meistern, hieß es am Morgen. „Dennoch bleibt die Lage angespannt.“ Weitere Schneefälle seien angesagt. Flugschnee sei Gift für einen regulären Betrieb, weil er in die Technikbereiche der Züge eindringen und die Antriebe lahmlegen könne.

Die erste winterliche Bewährungsprobe gab es auch für den Hauptstadt-Flughafen BER. Wie am Sonntag waren am Montag die Räumungsfahrzeuge auf einer Fläche von 350 Hektar auf der nördlichen Start- und Landebahn sowie auf Rollwegen und dem Vorfeld im Einsatz. Bei den für Montag geplanten 80 Starts und Landungen gebe es nur vereinzelt Verspätungen, sagte eine Flughafensprecherin.

Thüringen: Familie bleibt stundenlang im Schnee stecken

Stundenlang ist eine dreiköpfige Familie in Thüringen mit ihrem Auto im Schnee stecken geblieben. Wie eine Sprecherin der Polizei am Montag mitteilte, blieb das Fahrzeug am Sonntagabend im Landkreis Sömmerda stehen und kam nicht mehr weiter.

Eigenen Angaben zufolge versuchte die Familie fünf Stunden lang, das Auto vom Schnee zu befreien. Erst gegen Mitternacht wählte sie den Notruf. Die Eltern und ihre siebenjährige Tochter wurden den Angaben zufolge von der Feuerwehr gerettet und in eine Notunterkunft gebracht. Aufgrund des schweren Schneefalls konnte das Auto der Familie bisher noch nicht geborgen werden.

Foto: dpa/Bodo Schackow
Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) betreuen Lkw-Fahrer auf der Autobahn 4 bei Gera.

Brandenburg: Störungen auf der Schiene, Unfälle auf der Straße

Schnee und Glatteis haben in Brandenburg vor allem auf der Schiene zu größeren Verkehrsstörungen geführt. Betroffen war insbesondere der Süden des Landes. In Cottbus stand der Tramverkehr am Montag still, und bei den Regionalzügen in Richtung Sachsen und Sachsen-Anhalt fielen zahlreiche Verbindungen aus. Auf den Straßen waren die Straßenmeistereien mit großem Einsatz unterwegs.

Die Räumdienste waren mit mehr als 200 Fahrzeugen rund um die Uhr bei der Arbeit, berichtete der Sprecher des Landesbetriebes Straßenwesen, Steffen Streu, am Montag. Die rund 300 Mitarbeiter seien zu Zwölf-Stunden-Schichten übergegangen. Während die Lage auf den Straßen im Norden Brandenburgs noch „relativ entspannt“ gewesen sei, habe im Süden vor allem der Wind die Räumarbeiten erschwert. Immer wieder habe es Schneeverwehungen gegeben, in denen auch Fahrzeuge stecken blieben. Deswegen mussten einzelne Straßenabschnitte wiederholt zeitweise gesperrt werden.

Laut einem Sprecher der Polizeidirektion Süd kann dennoch nicht von einem Verkehrschaos gesprochen werden. „Die meisten Verkehrsteilnehmer haben sich angepasst“, sagte er. Dennoch kam es infolge der winterlichen Bedingungen zu Unfällen. Nach Angaben der Polizei war am frühen Montagmorgen der Verkehr im gesamten Landkreis Oberspreewald-Lausitz behindert. So blieben unter anderem bei Großkoschen, Lindenau und Lauchhammer Autos und Laster in Schneeverwehungen liegen. Verletzt wurde niemand.

Polizeidirektion West: Autos kamen von der Fahrbahn ab

Auch die Polizeidirektion West meldete zahlreiche witterungsbedingte Unfälle. „In den meisten Fällen kamen die Autofahrer infolge nicht angepasster Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab oder stießen infolge von zu geringen Sicherheitsabständen zusammen“, hieß es in einer Mitteilung. „Insgesamt lässt sich jedoch feststellen, dass der überwiegende Teil der Autofahrer auf die Straßenverhältnisse eingestellt war und entsprechend vorsichtig gefahren wurde.“

Das Winterwetter sorgte ebenfalls vor allem im Süden Brandenburgs für Verspätungen und Ausfälle im Zugverkehr. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, waren vor allem die Regionen um Cottbus und Calau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) betroffen. Größere Störungen gab es insbesondere auf den Linien zwischen Cottbus und Sachsen sowie Sachsen-Anhalt. Auch auf der Strecke zwischen Frankfurt (Oder) und Cottbus bremsten Weichenstörungen den Zugverkehr aus. In den übrigen Regionen Brandenburgs kam es vereinzelt zu Verspätungen und Ausfällen.

In Cottbus musste am Montagvormittag der Straßenbahnverkehr komplett eingestellt werden. Grund waren Weichenstörungen durch Schneeverwehungen und vereinzelte Stromausfälle. Auf sämtlichen Straßenbahnlinien wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingesetzt. Sämtliche Räum- und Gleispflegefahrzeuge seien im Einsatz, meldete das zuständige Verkehrsunternehmen. Am Nachmittag konnten die meisten Linien den Betrieb wieder aufnehmen.

Trotz Schnee und Glatteis war es im Berufsverkehr Montagfrüh nur zu vergleichsweise wenigen Unfällen im Straßenverkehr gekommen. Von Mitternacht bis 9 Uhr habe es 15 Unfälle mit Blechschäden und vier weitere Kollisionen mit Verletzten gegeben, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Brandenburger Polizei. Etwa zwei Drittel dieser Unfälle seien auf das Winterwetter zurückzuführen. Am Sonntag wurden 108 Verkehrsunfälle gezählt, darunter 57 witterungsbedingte.

Hessen und Bayern: Berufsverkehr in mehreren Städten eingestellt

Wegen des heftigen Wintereinbruchs stellten mehrere Städte in Hessen den Busverkehr komplett ein – etwa Kassel und Marburg an der Lahn. Grund seien der starke Schneefall sowie vereiste Straßen, teilten die Stadtwerke Marburg mit. Auch die Busse und Straßenbahnen in Kassel bleiben laut Stadtwerken in den Depots.

Auf der A6 bei Nürnberg blieben Lastwagen ebenfalls reihenweise im Schnee stecken: Hier musste das Technische Hilfswerk am späten Sonntagabend etliche Fahrzeuge befreien. Auf der A4 bei Gera in Thüringen fuhren sich Lastwagen in Schneeverwehungen fest, es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Abschleppdienste und Räumfahrzeuge mussten die Lkw befreien.

Anders dagegen die Lage in Nordrhein-Westfalen: Auf den Autobahnen herrschte am Montagmorgen weitgehend freie Fahrt für Pkw. „Es gab kaum Unfälle, alle waren sehr diszipliniert“, sagte ein Sprecher der Polizei Münster. Die Autobahnen im Bezirk seien nach dem Schneechaos vom Wochenende weitgehend befahrbar.

Auf den Autobahnen in Westfalen galt zunächst bis Montagmittag um 12 Uhr ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Grund dafür waren der anhaltende Schneefall sowie vereiste Fahrbahnen. Einige Autobahnen waren so stark vereist, dass es unmöglich war, die Fahrbahnen komplett eis- und schneefrei zu bekommen. In Niedersachsen galt die Regelung für die Landkreise Emsland, Osnabrück und Grafschaft Bentheim.

Berliner Kältebus: 300 Anrufe innerhalb von drei Stunden

Nachdem Berlin zwei Hostels angemietet hatte, um Obdachlosen einen Schlafplatz zu bieten, können Menschen in Not nun auch das sogenannte Zentrum am Zoo (ZaZ) in den Räumlichkeiten der Deutschen Bahn nutzen. Laut RBB soll es das bereits bestehende Angebot der Berliner Stadtmission am Bahnhof Zoologischer Garten ergänzen.

Die Rufnummer des Berliner Kältebusses (0178-5235838) wurde rund 300-mal innerhalb von drei Stunden angerufen. Eine Sprecherin der Berliner Stadtmission sagte der Berliner Zeitung, dass Obdachlose erst gefragt werden sollten, ob sie Hilfe möchten. Oft rücke der Kältebus zu Menschen aus, die die Hilfe nicht in Anspruch nehmen wollten. Dadurch würde die Hilfe erst später bei Menschen ankommen, die sie wirklich wollten. Die Stadtmission hat ihre Einrichtung in der Lehrter Straße bis mindestens Donnerstag auch tagsüber für Schutzsuchende geöffnet. 

Berlin: Corona-Impfungen sollen wie geplant fortgeführt werden 

Trotz des Winterwetters auch in den kommenden Tagen sollen die Corona-Impfungen wie geplant weitergehen. Es seien keine Auswirkungen der Minustemperaturen und Schneefälle auf die Arbeit in den drei Impfzentren bekannt, sagte eine Sprecherin. Täglich sollen etwa 3000 Menschen geimpft werden. Am Mittwoch soll auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel ein viertes Impfzentrum dazukommen.