In Rheinland-Pfalz werden Taser seit 2018 benutzt (Symbolbild).
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BerlinDie Bundespolizei startet ein Testprojekt mit „Taser“ genannten Elektroschockwaffen. Noch im August will das Bundesinnenministerium die Bundespolizei-Inspektionen am Ostbahnhof in Berlin sowie an den Hauptbahnhöfen in Kaiserslautern und Frankfurt am Main damit beauftragen. Insgesamt sollen circa 30 Taser ein Jahr lang zum Einsatz kommen. Zuvor hatte Der Spiegel darüber berichtet.

Laut Innenministerium setzen die Landespolizeien in Berlin, Rheinland-Pfalz und Hessen bereits Taser ein. Getestet werden sie auch in Bremen und im Saarland. Vorgeschrieben ist demnach, vor der Benutzung erst eine Warnung auszusprechen. Polizeibeamte dürften mit Tasern nur auf den unteren Oberkörper und bei Flüchtenden lediglich auf den Rücken zielen.

Taser sind sehr umstritten

„Hals, Kopf, Nacken und Genitalien sind zu vermeiden“, so ein Ministeriumssprecher. Der Einsatz müsse dokumentiert werden, etwa mit Bodycams genannten Körperkameras, sofern diese vorhanden seien. In Polizeifahrzeugen müssen sich für den Notfall zudem Defibrillatoren befinden.

Bei einem Taser werden mit Draht verbundene Pfeile aus einer Distanz von zwei bis fünf Metern abgeschossen. Diese dringen einen Zentimeter in die Haut ein und geben einen Stromimpuls ab, der sich auf Nerven und Muskeln auswirkt. Getroffene sind dadurch mehrere Sekunden handlungsunfähig.

Befürworter betonen, dass in vielen Fällen bereits die Androhung eines Tasereinsatzes deeskalierend wirken könne. Kritiker hingegen weisen auf Todesfälle in den USA und Kanada bei Einsätzen hin. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Hemmschwelle für einen Einsatz der Waffe herabgesetzt werde. Auch in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern gab es bereits Tote nach Taser-Einsätzen, wobei nicht immer klar ist, ob diese ursächlich waren.