Elon Musk entwirft Friedensszenario: Ukraine kontert mit „besserem Vorschlag“

Der reichste Mann der Welt lässt auf Twitter über seine Idee abstimmen, wie der Krieg beendet werden kann. Kurz darauf startet Selenskyj eine eigene Abstimmung. 

Tesla-Chef Elon Musk lässt auf Twitter über sein Friedensszenario abstimmen. 
Tesla-Chef Elon Musk lässt auf Twitter über sein Friedensszenario abstimmen. dpa/John Raoux

Kiew hat auf das vom US-Milliardär Elon Musk skizzierte mögliche Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mit einer Gegenofferte reagiert. „Es gibt einen besseren Vorschlag“, schrieb der Berater des Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, am Montag auf Twitter. Demnach werde die Ukraine ihr Territorium einschließlich der „annektierten Krim“ komplett befreien. Russland werde danach komplett demilitarisiert, müsse seine Atomwaffen abgeben und „kann niemandem mehr drohen“. Die russischen Kriegsverbrechen werden vor ein internationales Tribunal gebracht.

Als Musk daraufhin am Montagabend auf Twitter über seine Idee abstimmen ließ, konterte plötzlich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einer eigenen Abstimmung.  

So kann laut Elon Musk der Krieg in der Ukraine beendet werden

Zuvor hatte Musk bei Twitter eine vermeintliche Lösung für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges genannt. Demnach würde in den vier nun vom Kreml annektierten Gebieten in der Süd- und Ostukraine Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja unter Aufsicht der Vereinten Nationen neu abgestimmt. Russland müsse die Gebiete verlassen, wenn das der Wille der Menschen sei. Die Ukraine werde neutral. Die 2014 von Russland annektierte Halbinsel Krim solle Moskau zugeschlagen werden. Gleichzeitig würde die Wasserversorgung der Krim über den Kanal vom Fluss Dnipro garantiert werden. Das Szenario sei im Gegensatz zu einem Atomkrieg „sehr wahrscheinlich“.

Musk setzte am Montagabend noch einen drauf: Der reichste Mann der Welt lässt bei Twitter über sein Friedensszenario abstimmen. Der Tesla-Chef ließ seine mehr als 107 Millionen Follower über einen Vier-Punkte-Plan abstimmen, der unter anderem Wahlen in den von Russland annektierten Gebieten in der Ukraine unter UN-Aufsicht vorschlägt. 

Kurz nachdem Musk seinen Tweet über die Abstimmung abgesetzt hatte, konterte der ukrainische Präsident mit einer eigenen Abstimmung: In dem Tweet fragt Selenskyj: Welchen @elonmusk magst du mehr? Zur Auswahl stehen: „Den, der die Ukraine unterstützt?“ oder „Den, der Russland unterstützt? “ Innerhalb von kurzer Zeit beteiligten sich mehrere Hunderttausend Menschen an der Umfrage. Über 90 Prozent bevorzugten den die Ukraine unterstützenden Musk.

Expliziter wurde der scheidende ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk. „Verpiss dich (im Englischen Original: Fuck off) ist meine sehr diplomatische Antwort an dich, Elon Musk“, schrieb er auf Twitter. „Jetzt wird kein Ukrainer jemals deinen verdammten Tesla-Scheiß kaufen. Also viel Glück.“

Musk setzte daraufhin einen weiteren Tweet ab, worin er nach Argumenten zu ringen scheint: „Russland macht eine Teilmobilisierung. Sie gehen zur vollen Kriegsmobilisierung über, wenn die Krim in Gefahr ist. Der Tod auf beiden Seiten wird verheerend sein. Russland hat mehr als die dreifache Bevölkerung der Ukraine, sodass ein Sieg der Ukraine in einem totalen Krieg unwahrscheinlich ist. Wenn Ihnen die Menschen in der Ukraine am Herzen liegen, sollten Sie den Frieden suchen.“

Russlands Staatschef Wladimir Putin hatte am Freitag Abkommen zur Annexion der ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja unterzeichnet. Vorausgegangen waren vom Westen als „Schein-Referenden“ verurteilte Abstimmungen in den von russischen oder pro-russischen Truppen ganz oder teilweise kontrollierten Regionen über einen Anschluss an Russland.

Russland hatte bereits 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. International wird das nicht anerkannt.