Elon Musk lässt abstimmen: Knappes Rennen bei Trumps Twitter-Rückkehr

Seit der Übernahme durch den Milliardär herrscht Chaos beim US-Konzern Twitter. Nun sorgt Elon Musk erneut für Aufregung auf der Plattform. 

Tech-Milliardär Elon Musk lässt auf Twitter über die Rückkehr von Donald Trump abstimmen.
Tech-Milliardär Elon Musk lässt auf Twitter über die Rückkehr von Donald Trump abstimmen.dpa/Patrick Pleul/

Der neue Twitter-Chef Elon Musk hat in dem Online-Netzwerk eine Umfrage zur Entsperrung des Profils von Ex-Präsident Donald Trump gestartet. Trump war nach dem Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol am 6. Januar 2021 von Twitter verbannt worden. Die Zukunft des Onlinedienstes ist aber infolge des Chaos seit der Twitter-Übernahme durch Musk mehr als ungewiss.

Dass Musk dem Wunsch der Nutzer folgen wird, ist allerdings nicht sicher – auch wenn er der Umfrage den lateinischen Satz „Vox Populi, Vox Dei“ („Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes“) hinzufügte. Im vergangenen Jahr hatte er die Nutzer in einer ähnlichen Umfrage über einen Verkauf seiner Tesla-Aktien abstimmen lassen. Im Anschluss verkaufte er tatsächlich Anteile im Wert von über einer Milliarde Dollar.

Trumps Twitter-Rückkehr noch ungewiss

Trump hatte auf Twitter mehr als 88 Millionen Follower. Er hatte allerdings erklärt, nicht auf die Onlineplattform mit dem blauen Vogel zurückkehren zu wollen, sondern lieber bei dem von ihm selbst gegründeten Netzwerk Truth Social zu bleiben. Einige Stunden nach Beginn der Musk-Umfrage befürworteten 52,3 Prozent der fast zwei Millionen Teilnehmer eine Rückkehr von Trump zu Twitter.

Musk steht politisch den Republikanern nahe. Vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress Anfang November hatte er eine Wahlempfehlung für die Partei ausgesprochen. Im Frühjahr hatte er zudem erklärt, er habe in der Vergangenheit bei Wahlen für die Demokraten gestimmt, werde fortan aber die Republikaner wählen. Die Demokraten seien zur „Partei von Spaltung und Hass“ geworden, begründete er seine Haltung damals.

Verbannte Twitter-Profile wieder freigeschaltet

Kurz vor Beginn der Umfrage hatte Musk verkündet, die Konten der Komikerin Kathy Griffin, des Psychologen Jordan Peterson und der konservativen Parodie-Seite „The Babylon Bee“ seien „wieder eingesetzt worden“. Die „Trump-Entscheidung ist noch nicht getroffen worden“, fuhr der Hightech-Milliardär fort.

„The Babylon Bee“ und Peterson waren im März beziehungsweise August wegen Verstößen gegen die Twitter-Richtlinien gesperrt worden – sie hatten sich über Transgender lustig gemacht. Griffin war erst kürzlich gesperrt worden, nachdem sie die neuen, gelockerten Twitter-Regeln genutzt hatte, um ihren Benutzernamen in „Elon Musk“ zu ändern.

Musk hatte Twitter Ende Oktober für 44 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) übernommen. Kritiker befürchten, dass er den Kampf gegen die Verbreitung von Hassbotschaften und Falschnachrichten bei Twitter drastisch beschränken könnte.

Viele Twitter-Mitarbeiter gehen freiwillig

Inzwischen hat bei dem Konzern ein regelrechter Exodus eingesetzt. Nachdem Musk rund die Hälfte der Mitarbeiter entlassen und den anderen ein „Hardcore“-Ultimatum gestellt hatte, entschieden sich laut US-Medienberichten und ehemaligen Angestellten mehrere Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das Unternehmen zu verlassen. Der Milliardär hatte die Twitter-Beschäftigten in einem Memo von Mittwoch aufgefordert, sich zu extremem Arbeitseinsatz zu verpflichten – oder sie würden gefeuert. Der Zugang zu den Büros des Konzerns wurde laut Medienberichten bis Montag gesperrt.

Zuvor hatte Musk bereits rund die Hälfte der 7500 Angestellten entlassen. Der Abgang der Mitarbeiter schürte Befürchtungen, der Milliardär könnte das Unternehmen zugrunde richten. Gerade dies habe zu rekordverdächtiger Aktivität auf Twitter geführt, erklärte Musk am Freitag. „Eine Rekordzahl von Nutzern loggt sich ein, um zu sehen, ob Twitter tot ist, was es ironischerweise lebendiger macht als je zuvor!“ Der Konzernchef gab sich unbekümmert angesichts des Exodus: „Die besten Leute bleiben, also bin ich nicht superbesorgt.“