Berlin - Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) rät Menschen mit dem Kapillarlecksyndrom von der Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff Vaxzevria ab. Das teilte die Behörde am Freitag mit. Zudem sei beschlossen worden, das Kapillarlecksyndrom als neue Nebenwirkung des Impfstoffs in die Produktinformation aufzunehmen, zusammen mit einem Warnhinweis.

Das Kapillarlecksyndrom ist eine sehr seltene Erkrankung, bei der Flüssigkeit aus kleinen Blutgefäßen (Kapillaren) austritt, was zu Schwellungen hauptsächlich in Armen und Beinen, niedrigem Blutdruck, Blutverdickung und niedrigen Albuminspiegeln (einem Protein) führt.

Personen, die mit dem Astrazenca-Impfstoff geimpft wurden, sollten sofort einen Arzt aufsuchen, wenn sie in den Tagen nach der Impfung ohnmächtig werden, ein schnelles Anschwellen der Arme und Beine oder eine plötzliche Gewichtszunahme bemerken, hieß es von der EMA. 

EMA und PEI untersuchen auch Herzmuskelentzündungen nach Impfungen

Die EMA untersucht außerdem Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach Corona-Impfungen mit den Mitteln verschiedener Hersteller. Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) beschäftigt sich damit.

Bei einem möglichen Zusammenhang zwischen sehr seltenen Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und einer Corona-Impfung insbesondere bei jungen Männern ab 16 Jahren hat das PEI aber bislang kein klares Bild. Zwar habe man in den vergangenen Wochen „zunehmend Meldungen über den Verdacht einer Myokarditis oder Perimyokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von Covid-19-mRNA-Impfstoffen erhalten“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Sicherheitsbericht des PEI.

Andererseits weise es bezogen auf alle Altersgruppen nicht auf ein Risikosignal hin, wenn man die gemeldeten Fälle zu der Myokarditis-Quote ins Verhältnis setze, die auch ohne Impfung zu erwarten wäre. Dennoch falle bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer auf, „dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die jedoch vermutlich aufgrund der Impfpriorisierung nicht die prozentual größte Impfgruppe ausmachen.“ Bislang gehe es um 92 Fälle.

Es fehle an Daten um zu berechnen, „ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zufällig in ihrer Altersgruppe zu erwarten wäre“. 

Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen nach PEI-Angaben symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Eine Myokarditis kann aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Zu den möglichen Auslösern einer Myokarditis zählen Virusinfektionen.