Rom - Nach wochenlanger Unsicherheit hat ein hochrangiger Vertreter der EU-Arzneimittelbehörde EMA eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin und dem Auftreten von Blutgerinnseln bei manchen Geimpften gezogen. Es sei „klar“, dass es einen „Zusammenhang“ gibt, sagte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, in einem am Dienstag veröffentlichten Zeitungsinterview. In Deutschland wird das Vakzin in der Regel vorsichtshalber nur noch bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt.

„Meiner Meinung nach können wir mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt“, sagte Cavaleri mit Blick auf die Thrombosen nach Astrazeneca-Impfungen in einem Interview mit der italienischen Zeitung Il Messaggero. Er ließ in dem Interview durchblicken, dass die EMA den Zusammenhang bereits „in den nächsten Stunden“ offiziell feststellen werde.

Aktuell erneute Prüfung von Astrazeneca durch die EMA

Wie das Astrazeneca-Vakzin in wenigen Fällen Blutgerinnsel bei Geimpften auslöst, ist nach Cavaleris Angaben jedoch noch nicht klar. Die EMA hatte für Dienstag bis Freitag diese Woche eine Prüfung des Astrazeneca-Impfstoffs angesetzt.

„Wir versuchen, ein genaues Bild davon zu erhalten, was passiert“, sagte Cavaleri dem Messagero. Die EMA wolle „auf präzise Weise dieses durch den Impfstoff verursachte Syndrom definieren“. Bei jüngeren Menschen, die den Astrazeneca-Impfstoff erhalten hatten, gebe es eine Fallzahl an Hirnthrombosen, die höher sei, „als wir erwarten würden“, führte Cavaleri aus.

Astrazeneca: Eindeutige Beweise fehlen noch

Bislang hat die EMA den Astrazeneca-Impfstoff als sicher empfohlen und betont, der Nutzen des Vakzins überwiege deutlich mögliche negative Folgen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Blutgerinnseln sei „möglich“, allerdings gebe es dafür keinen Beweis, hieß es bislang von der EMA. Auch der britisch-schwedische Hersteller betont dies.

Der medizinische Mikrobiologe Paul Hunter von der University of East Anglia sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Beweise gingen „eher in die Richtung, dass das Oxford-Astrazeneca-Vakzin durchaus die Ursache ist“.

Mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada, schränkten den Einsatz des Vakzins bereits ein. Andere Länder wie Dänemark setzten die Verwendung vorsichtshalber vollständig aus.

In Deutschland sollen seit Ende März Menschen unter 60 Jahren nur noch in Ausnahmefällen mit Astrazeneca geimpft werden. Die deutschen Behörden hatten ihre Entscheidung mit dem Auftreten von Hirnvenen-Thrombosen insbesondere bei jüngeren Frauen in zeitlichem Zusammenhang zu der Impfung begründet.

International wurden Dutzende solcher Fälle gemeldet, von denen einige tödlich endeten. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte am Sonnabend erklärt, nach landesweit mehr als 18 Millionen Astrazeneca-Impfungen seien in Großbritannien bislang 30 Thrombose-Fälle bei Geimpften aufgetreten. Sieben der Betroffenen seien gestorben.