Die Zahl der neu an Depressionen erkrankten Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren ist deutlich gestiegen. Dies geht aus einer Auswertung der Krankenkasse DAK Gesundheit hervor. Auch die Zahl der zuletzt an Magersucht erkrankten Jugendlichen hat Fachleuten zufolge zuletzt deutlich zugenommen. Club-Verbot, Kontaktreduktion, keine Sportvereine: Jugendliche mussten in den vergangenen zwei Jahren auf vieles verzichten. Drohen im Herbst nun erneut strenge Corona-Maßnahmen? Nach dem Scheitern der Impfpflicht Anfang April kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an, dass im Herbst wieder Einschränkungen notwendig seien.

„Wir können ihnen (den Jugendlichen, Anm. d. Red.) diese Zeit nicht zurückgeben, aber wir müssen jetzt für eine maximal hohe Impfquote kämpfen, damit im Winter nicht erneut Maßnahmen notwendig werden“, meint Emilia Fester (Grüne), selbst erst 24 Jahre alt und jüngstes Mitglied im Bundestag und betont die Notwendigkeit von Solidarität in der Bevölkerung.

„Häusliche Gewalt, psychische Krankheiten und Suizidversuche“

„Die Belastung von Jugendlichen während der Corona-Pandemie war enorm und gleichzeitig hat die GroKo ihre Bedürfnisse lange belächelt oder komplett ignoriert. Die Folgen dieser Politik waren verheerend: Unaufholbare Lernrückstände, häusliche Gewalt, psychische Krankheiten und sogar Suizidversuche,“ sagt FDP-Politikerin Ria Schröder. Einschränkungen junger Menschen dürften im Herbst nur der „äußerste Weg“ sein.

Kathrin Vogler (Linke) macht einen konkreten Vorschlag: Sie hält einen „Gutschein für ein Interrail-Ticket, einen Freizeitpark, ein Konzert oder den Lieblings-Sportverein“ für junge Menschen für angebracht. Man könne zwar nicht garantieren, dass im Herbst und Winter keine Maßnahmen nötig werden, aber: „Es ist viel leichter, die jungen Menschen zum Einhalten von Regeln zu motivieren, wenn sie erleben, dass alles menschenmögliche getan wurde, um sie nicht anwenden zu müssen.“

„Grundsätzlich hoffe ich, dass wir im Herbst davon verschont bleiben, wieder auf schärfere Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie zurückgreifen zu müssen,“ sagt Ralph Edelhäußer (CSU), Mitglied im Familienausschuss des Bundestages.

Wegen des Coronavirus keine Kontrolle mehr über das Leben

Edelhäußer weiter: „Viele Jugendliche haben durch die Pandemie und ihre Folgen starke psychische Probleme bekommen, die auch teilweise noch weiter bestehen. Wir müssen somit alles daran setzen, dass aus diesen Menschen keine verlorene Generation wird.“ Deshalb sei es wichtig, dass Erwachsene bei weiteren Wellen schnell handeln.

„Junge Menschen konnten aufgrund der Pandemie nicht krisenfest ihre Zukunft planen. Viele von ihnen hatten das Gefühl, wegen des Coronavirus keine Kontrolle mehr über ihr Leben zu haben“, sagt SPD-Fraktionsvize Sönke Rix. Er weist auf die Solidarität junger Menschen gegenüber Älteren während der Pandemie hin. Insofern sei er „ganz und gar nicht“ der Meinung, „dass die junge Generation bei einer neuen Corona-Welle motiviert werden müsste, die Maßnahmen mitzutragen.“